Full text: Der Deutsche Schulbote - 3. 1844 (3)

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ruiig der Schulbrüder zur Zeit vielen Schwierigkeiten unterwor 
fen und nicht zweckmäßig seyn. In größern Orten jedoch, wie 
in Städten, wo mehrere unter der Aufsicht eines Oberen zusam 
menleben können, stehen der Einführung derselben weniger Hin 
dernisse im Wege. 
Und so glaube ich diesen wichtigen Gegenstand, nach mei 
nen geringen Einsichten, möglichst ausführlich behandelt zu 
haben. Die Ehre des Standes, dem ich anzugehören das Glück 
habe, liegt mir zu sehr am Herzen, als daß ich mich so leicht 
darüber hinwegsetzen könnte. Glaube man jedoch nicht, daß 
etwa Parteilichkeit bei Würdigung dieses Gegenstandes mich lei 
tete: Förderung der guten Sache war die Absicht, von der ich 
bei Behandlung desselben stets durchdrungen war. Und wenn 
auch diese meine Bemühung so ganz und gar verkannt werden 
sollte, so tröstet mich doch wenigstens das Bewußtsein, da nicht 
geschwiegen zu haben, wo es auf den guten Ruf meines Stan 
des und die Ehre meiner Amtsbrüder abgesehen war. 
4. Wie kann das Temperament an den Kindern 
erforscht, und wie soll jedes Kind seinem Naturelle 
gemäß behandelt werden? 
Indem ich mich auf den wohldurchdachten Aufsatz im ersten 
Quartalhefte, zweiten Jahrgangs des deutschen Schulboten Seite 
22 ff., in wieferne dem Lehrer sein Beruf durch sein 
Temperament erleichtert oder erschwert werde und 
welche Rathschläge sich daraus ergeben, berufe, binde 
ich versuchsweise eine Entwickelung an, wie sich dieselben Rath 
schläge auf Behandlung der Kinder anwenden lassen. 
Wenn dem erwachsenen Menschen ein Temperament so wenig 
ausgeschieden inwohnt, als in der Natur eine Luft- oder Erdart 
chemisch geschieden vorgefunden wird, vielmehr nur eine glückliche 
Mischung hier wie dort gedeihlich erscheint; so wird man ein aus 
gebildetes Temperament um so weniger bei einem Menschen suchen, 
dessen Kräfte und Triebe noch im Erwachen und Entwickeln be 
griffen sind. Es gibt Anzeichen, die über das Temperament im 
Zweifel lassen oder auch trügen; ja gar oft zeigen sich die Wir 
kungen der Säftemischung im reifern Alter anders, als sich an
	        
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