Full text: Der Deutsche Schulbote - 12. 1853 (12)

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Gteinschnitt, im Construtren, in der praktischen Mechanik Gelegen 
heit gegeben sein. An der chemischen und chirurgischen Schule sollen 
je nach systematischer vorgezeichneter Wahl der Unterrichtsgegenstände 
Fabrikanten, Oekonomen, Forstleute, Apotheker, Chirurgen und Veterinäre 
ihre theoretische Bildung erlangen und diese Unterrichtsgegenstände wären 
Physik, Chemie, Naturgeschichte, sür alle gemeinsam Technologie, und 
Vermessung für Fabrikanten und Oekonomen, Anatomie und Chirurgie 
sür Chirurgen und Veterinäre, wobei letzteren auch Gelegenheit zum 
Erlernen des Latein bis zur Uebersetzung leichter Lesestücke zu geben wäre. 
Aus der Handels- und Kameralschule müßten Kaufleute, Zoll-, Pvst- 
und Rechnungsbeamte hervorgehen, und Handlungswissenschaft, Waaren- 
kunde, Statistik, politische Arithmetik, Wechselrecht, Finanzwissenschaft zu 
erlernen haben, auch Unterricht in der französischen und englischen Sprache 
genießen können. Als Schlußstein dieser technischen Bildung stellt sich 
dar ein Praktikum in Bau- und Bergämtern, Bahnhöfen, taktischen 
Bureaus, sorst- und landwirthschaftlichen Musteranstalten, Spitälern, 
großen Handlungskomptoirs u. dgl. 
Schließen wir sür ausgezeichnete Eleven dieser Anstalten den Ueber- 
tritt an eine kameralistische Fakultät nicht aus, und müssen wir ander 
seits von den Adspiranten des höhern administrativen Staatsdienstes auch 
ein ein- oder zweijähriges Praktiziren im niedern Staatsdienste fordern, 
so legen wir noch schließlich unser Hauptgewicht auf die bisher nicht genug 
beachteten kameralistischen Fakultäten. Wo sollen wir in genügender Zahl 
eben so gut humanistisch als realistisch gebildete höhere Beamte fürs 
Baufach, Bergwesen, öffentlichen Verkehr, Gewerbspolizei, Rechnungs 
wesen rc. hernehmen, wenn nicht unsere kameralistischen Fakultäten end 
lich einmal genügend erweitert und alle einschlägigen Fächer, das Zeichnen 
nicht ausgeschlossen, mit guten Lehrern besetzt werden? Es übrigt noch 
von den Lehrern obiger Schulen zu sprechen. Unter den Lehrern der 
Elementarschulen haben die einen mehr Befähigung für Musik und prak 
tische Kenntnisse, die andern zeichnen sich in theoretischen Kenntnissen 
aus; letztere, gleichviel ob im Seminar gebildet oder nicht, werden für 
die höhere Elementarschule geeignet sein. Von dem Klassenlehrer der 
niedern Realschule muß verlangt werden, daß er eine höhere Realschule 
gut absolvirt habe, von dem Nebenlehrer die Absolvirung eines Gymna 
siums, vom Zeichnungslehrer die Ausbildung an einer Kunstschule, von allen 
dreien das Bestehen eines besondern Kurses der Pädagogik. Die Lehrer 
der höhern Realschule müssen die philosophische und kameralistische Fakul 
tät besucht haben. Vorgängige Prüfung und Praris nebst untadeligem 
Wandel versteht sich von selbst als Bedingung.
	        

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