Full text: Der Deutsche Schulbote - 20. 1861 (20)

I. 
Aufsähe pädagogischen Inhalts. 
1. Ueber moralische Heilkunde. 
„Das Uebel ist in seiner Quelle anzugreifen." 
Unter moralischer Heilkunde versteht man den Inbegriff aller 
Regeln und Grundsätze, nach denen die, bet der Erziehung der Jugend, 
an jedem Kinde mehr oder weniger sich herausstellenden und als krank 
hafte Geistes - und Gemüthszustände und Verirrungen einzelner Kräfte 
und Triebe sich kundgebenden Unarten und schlimmen Neigungen der 
Kinder beseitigt werden können und sollen; ein Inbegriff von Grund 
sätzen, die auf eine tiefe Seelenkunde und genaue Kenntniß aller Ge 
müthszustände auch in ihren Wechselswirkungen gegründet sind. 
So wie der Mensch nun einmal ist und unter den verschiedensten 
Verhältnissen geboren wird und heranwächst, erleidet die naturgemäße 
Entwicklung desselben an Körper und Geist mannigfache Störungen, 
indem der sich selbst überlassene Bildungstrieb sich in Unarten verirrt, 
oder diese durch den Nachahmungstrieb sich vergrößern. Für den 
Erzieher ergibt sich hieraus von selbst das Geschäft, nicht nur das 
Eintreten solcher Störungen und Verirrungen zu verhüten, sondern 
auch die einmal eingetretenen abnormen Zustände wieder zu heben, 
und dies ist das Geschäft der pädagogisch-moralischen Heil 
kunde. Von selbst leuchtet es ein, daß die ersten Bedingungen zu 
einer wirksamen Heilung jener moralischen im Geiste gegründeten 
Krankheiten genaue Kenntniß der Quelle und Natur der Krankheit, 
ein tiefer Blick in den Zusammenhang der Uebel, so wie eine uner 
müdliche Geduld und eine weise und vorsichtige Wahl der Heilmittel 
Deutscher Schulbote. XX. Jahrgang. 7
	        

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