Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 2.1882 (2)

6 G. Heine. Über das Wesen und die Aufgabe 
als sich früher oder später herausstellt, daß sie den von ihr erhobenen 
Ansprüchen und gemachten Versprechungen oder den ihr zugemuteten Lei 
stungen nicht genügt und nicht genügen kann. Welchen, den redlichsten 
Anstrengungen der Lehrer und aller übrigen Vertreter der Schule gradezu 
widerstrebenden, ihn nahezu vernichtenden Einfluß üben z. B. oft die Fa 
milien der höheren wie der niederen Stände, die allgemeinen Strö 
mungen des staatlichen, wissenschaftlichen, geselligen und industriellen 
Lebens — wie uns das die letzten zehn Jahre oft genug klar vor die 
Augen gestellt haben. Und doch, verzagen wir allen diesen berechtigten 
Erwägungen gegenüber nicht an dem bedeutenden Einfluß, welchen die 
Schule auf die Bildung unsrer Jugend haben kann und vielfach auch 
wirklich immer noch hat. Um darüber zu einem maßvollen Urteil, zu 
gleich aber auch, um zu einem zuversichtlichen, hoffnungsvollen Blick auf 
den Erfolg unsrer Schularbeit zu gelangen, versuchen wir, uns zu ver 
gegenwärtigen, welches denn die eigentümlichen Kräfte der Schule sind, 
durch die sie auf die Bildung der Jugend einzuwirken vermag, zum Teil 
in viel nachdrücklicherer und machtvollerer Weise als alle übrigen, die 
Schulbildung sonst unterstützenden oder hindernden Lebensgebiete. Wir 
sagen demnach: 
1. Die beiden vornehmsten Mittel der Schulbildung sind Unter 
richt und Zucht; Unterricht in dem ganzen Umfange aller Dis 
ciplinen, Zucht, vornehmlich und zunächst darauf gerichtet, den Unter 
richt überhaupt möglich zu machen und seinen Erfolg zu sichern. Gewiß 
werden Sinn und Geist, Geschick und Haltung, mit welchen diese beiden 
Seiten der Lehrthätigkeit vom Lehrer geübt werden, und demgemäß auch 
der Einfluß derselben auf die Schüler sehr verschieden sein; so viel wird 
immer mit Sicherheit behauptet werden dürfen, daß kein Lebensgebiet 
außer der Schule, insbesondere in den meisten Fällen die Familie nicht, 
in diesen beiden Stücken der Schule sich gleichstellen kann. Und so ge 
wiß es auf der einen Seite ist, daß weder der Unterricht noch die Zucht 
an sich bereits Bildung in unserem Sinne zu wirken im Stande sind, 
wenn sich ihnen nicht die Seele, das Herz und der Geist des Kindes 
aufthut, so kommt doch, dessen wollen wir uns getrösten, dem Unterricht 
und der Zucht der Schule in den meisten Fällen ein nach diesen beiden 
wichtigsten Faktoren der Bildung des Kindes sich sehnendes, ihrer be 
dürfendes Kindesherz entgegen, an welchem viel verdorben werden muß, ehe 
es ihnen sich verschließt. Und dann, es mag in unserem Stande bunt 
genug aussehen, wenn wir auf die verschiedenartigen Richtungen und Be-
	        
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