Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

Lettau, Abermals Herbart und Herbartianer. 
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Darstellungsweise eine zweckmäßige sei; „denn Erfahrungen und Erörte 
rungen, die bezüglich der „Herbartschen Schule" von verschiedenen 
Standpunkten aus gemacht worden, sind allseitiger anregend und er 
leichtern bedeutend die genetische Fortentwicklung des Haupt 
gedankens (wie dies namentlich ein Plato, Lessing und andere 
Meister der gerügten Darstellungsform aufs trefflichste gezeigt haben). 
Wenn sie außerdem noch etlichen Lesern, besonders solchen, die oberfläch 
lich und voreingenommen daran gehen, mehr Steine des Anstoßes und 
Ärgernisses, Spitzen und Fußangeln in den Weg werfen, als es eine 
einfach objektiv gehaltene Abhandlung thun würde, so ist dieses ein 
Nebenvorteil, der, wenn auch nicht gerade beabsichtigt, so doch voraus 
zusehen war". — Damit ist in der That die Absicht, die mir bei der 
Wahl der getadelten Form vorschwebte, hinlänglich gekennzeichnet. 
Demgemäß ließ ich erstens einen Geistlichen als Vertreter der 
„positiv-christlichen" (konfessionellen) Richtung das Wort ergreifen. Er 
äußert sich allerdings anfangs nicht ohne einseitige Schroffheit, die aber, 
wie aus mehreren seiner Bemerkungen bald hervorgeht, beabsichtigt, pro 
vozierend ist; er erklärt ja —, was nicht zu übersehen! — von vorn 
herein, daß die Theologie der „Philosophie" nicht entbehren könne. 
Mehrere seiner Bedenken, über die ich selber noch nicht hinlänglich klar 
war (z. B. über die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Geiste 
der „Allgemeinen Bestimmungen" und dem der Herbartischen Pädagogik) 
habe ich mitgeteilt, um weitere eingehendere Erörterungen darüber anzu 
regen. (Davon noch weiter unten). 
Zweitens ließ ich einen Volksschullehrer das Wort nehmen. Er 
vertritt den Standpunkt der „naiven Erfahrung" (und christlichen Ein 
falt), die nicht selten üefer (durch unmittelbare Intuition) in bedeutsame 
Fragen eindringt, als „der Verstand der Verständigen sieht" —, freilich 
mitunter auch durch das Bewußtsein, „ich bin ein Suchender, Werdender", 
unsicher im Vorschreiten und vorsichtig zurückhaltend im Worte ist (daher 
das S. 322 und 340 des „Protestes" genügte „es schien mir rc.", „ich 
glaubte zu bemerken rc.!). Der in Rede stehende Lehrer, der leider nicht 
mehr unter den Lebenden weilt, war eine tief angelegte, sehr sinnige 
Natur, die sich nimmer damit hätte begnügen können, „vereinzelte Her 
bartische Lektionen" (vgl. S. 322 des „Protestes") zu halten, sondern 
die, wenn sie Treffliches in einer Lehrweise merkte, dieselbe gründlich zu 
erfassen und allseitig zu erproben suchte. Er bemühte sich in der That 
eine längere Zeit in der von Ziller gezeichneten Bahn und verwertete
	        

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