Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Glöckner, 
Beschränket auf weißbare Dinge sehen auch solche, die uns ferne stehen, 
in unsrer Philosophie die Philosophie der Zukunft, ofr. Fricke, Meta 
physik und Dogmatik 1882 S. 19, oder Zöckler, Ev. Kirchenzeitung 
1882 Nr. 20 S. 419, 1883 Nr. 9 S. 197 ff., welcher auch das land 
läufige Urteil über den Nationalismus Herbarts als Unsinn bezeichnet. 
Von dieser endlich erreichten Unbefangenheit der Forschung, nach der 
die Philosophie sich eben nicht in die Interna der Theologie drängt, 
sollte man nicht wieder herabsinken. Das thut man aber, wenn man 
heutzutage sich noch auf Stahl, der Christentum und idealistischen 
Pantheismus durch einander mischte, beruft. Stahl hat längst die ihm 
gebührende Zurückweisung, resp. wo er es verdient Anerkennung, von 
seiten der Herbartischen Schule erfahren. Vergl. Thilo, Theologisierende 
Rechts- und Staatslehre, mit besonderer Rücksicht auf Stahl, Geyer, 
Holtzendorffs Encyclopädie der Rechtswissenschaft 1882. Einl. S. 47. 
Am allerwenigsten aber sollte jemand, wenn ihm die Kulturgeschichte der 
letzten 30 Jahre nur einigermaßen bekannt ist, es wagen, jenes berüchtigte 
Wort Stahls von der Umkehr der Wissenschaft in den Mund zu nehmen. 
6fr. Allihn, die Umkehr der Wissenschaft in Preußen, mit besonderer 
Beziehung auf Stahl. Berlin 1855. Solche abgethane Sache sollte 
man nicht noch repristinieren! Es muß mithin bei der Bestimmung wohl 
bleiben, die Herbart in einem Vortrag über das „Verhältnis der Schule 
zum Leben" 1816 (Schule im weitesten Sinne zu nehmen) getroffen 
hat: „Die Kirche hat ihre ewige Grundlage im Bedürfnis des Glaubens 
an Gott; welches so allgemein ist, daß weder die Schule noch der Staat 
sich demselben entziehen könnten, wenn es ihnen auch einmal einfiele, 
einen Versuch derart zu machen. Schlimm wäre es, wenn die Schule 
sich's einfallen ließe, den Glauben, der schon lange vorhanden ist, von 
neuem hervorbringen zu wollen, wenn die mehreren Schulen, sofern es 
deren giebt, unter sich wetteifernd versuchten, welche von ihnen wohl am 
meisten Einstuß auf die Kirche gewinnen könne. Wird so etwas unter 
nommen, dann erhebt unfehlbar die Kirche sich mit Stolz und läßt es 
fühlen, daß sie ihre Anhänger nach Millionen zählt, wo die Schule 
deren nicht Hunderte nachweisen kann; sie läßt es fühlen, daß sie in die 
Gemüter unmittelbar eingreift, zu welchen jene den langen Umweg durch 
den Verstand so oft vergeblich sucht. Und so straft sie mit Recht zu 
gleich und mit Kraft den Vorwitz der Schule. Doch wolle auch sie sich 
hüten, sich einzumischen in die Verhandlungen der Schule, und die Kreise 
zu zerrütten, die sie nicht gezeichnet hat. Denn sie bedarf manches stillen
	        

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