Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

Noch einige Worte über Herbarts Philosophie und Pädagogik rc. 107 
Dienstes, bald um die Gefühle des frommen Glaubens mit einem gewissen 
Grade von Deutlichkeit des Gedankens auszusprechen, bald um dem Wer 
glauben feine Götzen umzustürzen, dem Unglauben seine Waffen entwinden 
zu können, bald endlich auch der Wahrheitsliebe derjenigen zu genügen, 
die zu wissen wünschen, warum der Glaube älter sei als die Einsicht, 
und warum er sich nicht längst schon in Einsicht verwandelt habe. 
II. Bemerkungen über die Grundanschauungen der 
Herbartschen Philosophie. 
Kann man nun auch mit Recht sagen, daß der Herbartischen Philo 
sophie in einzelnen Teilen das Prädikat klassischer Vollendung zukommt, 
so wissen anderseits die Herbartianer selbst am besten und genauesten, 
daß diese Vollendung noch nicht auf allen Gebieten erreicht, daß noch 
vielerlei auszubauen oder auch umzugestalten ist; es giebt wohl kaum 
einen so „enragierten Herbartianer, der nicht an seinem Meister etwas 
„auszusetzen" hätte." Vergl. dazu Heft 2, S. 48. Diese Seiten liegen 
aber nicht an den in der gegnerischen Arbeit angeführten fünf Punkten, 
welche beweisen sollen, daß „auch die Herbartische Philosophie auf Grund 
anschauungen beruht, die durchaus nicht mit zwingenden Gründen erwiesen 
werden können, sondern auf Treue und Glauben angenommen werden 
müssen." Diese fünf Punkte sind vielmehr ebenfalls lediglich Wieder 
holungen alter, von den Herbartianern längst abgethaner Einwände. 
Die Herbartianer haben aber weder Zeit noch Lust, in Sisyphus-Arbeit 
die alten „Steine des Anstoßes" immer wieder aus dem Wege zu räumen. 
Wem daher wirklich daran liegt, sich eine genauere Einsicht in die Sache 
zu verschaffen, den verweise ich rücksichtlich der fünf namhaft gemachten 
Punkte ohne viel weitere Worte der Entgegnung auf folgende Schriften: 
ad I. Herbarts Metaphysik. 
Die Abhandlungen von Drobisch und Strümpell gegen die 
Trendelenburgische Kritik in Fichtes und Ulricis Zeitschrift für Philo 
sophie und philosophische Kritik, Bd. 25—27. 
Günther, desgl. im Jahrbuch für wissenschaftliche Pädagogik IV. 
S. 286 ff. 
Schacht, Herbart und Trendelenburg; besprochen in der Zeitschrift 
für exakte Philosophie. Bd. VIII, S. 197 ff. 
Kern, Ein Beitrag zur Rechtfertigung der Herbartischen Metaphysik. 
(Gegen Trendelenburg). Programm des Gymnasiums zu Koburg 1849. 
ad II. Herbarts Ethik.
	        

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