Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

Noch einige Worte über Herbarts Philosophie und Pädagogik rc. 109 
ein Widerspruch in sich selbst, denke man das Reale kontinuierlich oder 
diskret. Dies ist übrigens nicht einmal spezifisch herbartisch. 
ad IV. Das punktuelle, einfache Wesen (die Seele). 
Will man den Schluß nicht zugeben von der Einheit des Bewußt 
seins oder der gegenseitigen Durchdringung der Vorstellungen auf ein 
einfaches Seelenwesen? ek. Flügel, die Seelenfrage, S. 80 ff. Oder 
nimmt man besonderen Anstoß daran, daß es punktuell gedacht wird? 
Daß aber die gegenteilige Annahme, nämlich das Seelenwesen als aus 
gedehnt anzusehen, nichts erklärt, hat z. B. auch Lötze gesagt, daß die 
Ausdehnung der Seele im speziellen für die Vorstellung des Räumlichen 
ohne Bedeutung ist, siehe Cornelius, Wechselwirkung zwischen Leib und 
Seele, 1871. S. 46. Auf A. Lange, Grundlegung der mathematischen 
Psychologie, darf sich der Gegner nicht mehr berufen. Dessen Angriffe 
sind längst widerlegt. Vgl. Zeitschrift für exakte Philosophie VI, S. 323. 
ad V. Die Theorie der Selbsterhaltungen und die Hemmung der 
Vorstellungen. Siehe dazu 
Reins Pädagogische Studien, 1881 Heft 1: „Über die metaphysische 
Grundlage der Psychologie Herbarts." 
Übrigens ist ein großes Teil dieser Fragen auch in der „Schlesischen 
Schulzeitung" 1882 Nr. 11 und 17 von Herrn Grab s erörtert worden. 
Ich erlaube mir daher, auf diese Arbeiten zu verweisen, zugleich mit 
der Bemerkung, daß das dort Gebotene wohl zu der Lösung der Fragen, 
die Herr Seminardirektor Heine in dieser Zeitschrift 1881 Heft 1 auf 
geworfen hat, einiges beitragen kann. 
Es konnte nicht meine Aufgabe sein, über diese Punkte mehr zu 
geben; denn einmal hätte ich sonst das ganze System Herbarts hier 
auseinandersetzen müssen, was natürlich nicht anging, anderseits hat der 
Gegner selbst nichts Eignes vorgetragen, sondern sich auf andre berufen. 
III. Bemerkungen über Herbarts Pädagogik und ihr Ver 
hältnis zur Nationalität und Christentum. 
Nun noch einige Worte über die Herbartische Pädagogik. 
Das Hauptresultat des ersten Angriffes meines Gegners lautete: „Dem 
nach kann ich in den „Mgemeinen Bestimmungen" Falks nicht eine 
widerchristliche Tendenz finden; es kommt ja wesentlich darauf an, ob 
sie im Geiste der heil. Schrift oder im Sinne der „Weltweisheit" (woran 
der Herbartianismus stark beteiligt ist) „aufgefaßt und unterrichtlich 
gehandhabt werden. Bedenklicher für den Unterricht in Seminarien und
	        

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