Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Biermann, die geistliche Schulaufsicht. 
lichen Interessen stimmt. Und umgekehrt: Wenn bei einem Anspruch der 
Kirche oder des Pfarramts nachweisbar die Schule oder das Schulamt 
zu kurz kommt, so muß er gleichfalls aufgegeben oder passend modifiziert 
werden." Diesen Maßstab, wonach er seine Ausführungen zu prüfen bittet, 
wird man wohl keinen einseitigen nennen wollen. Es würde also nach 
zuweisen sein, daß er selber gegen diese Grundsätze gefehlt habe. 
Daß der Herr Korrespondent die Behandlung „leidenschaftlich" 
nennt, ist fast noch befremdlicher. Wir kennen den Verfasser persönlich 
seit lange und sind mit allen seinen Schriften vertraut, nicht am wenigsten 
mit der Leidensgeschichte. Wie nun jemand dazu kommt, in dem Charakter 
desselben oder in dieser seiner letzten Broschüre etwas von Leidenschaft 
lichkeit zu finden, ist uns unerklärlich; derselbe müßte denn mit diesem 
Ausdruck einen ganz andern Begriff verbinden, als wir es zu thun 
gewohnt sind. Uns will bedünken, daß dem Herrn Korrespondenten 
etwas von der Kraft der Ueberzeugung und von der überzeugenden Klar 
heit in der Darlegung spürbar geworden ist. 
Damit die Leser des evangelischen Monatsblattes schon jetzt erfahren, 
daß eine große Anzahl von Mitgliedern des Deutschen evang. Schulvereins 
nicht mit dem Artikel in Nummer 3 einverstanden ist, und daß wir 
Unterzeichnete eine eingehende ruhige Besprechung im evang. Monats 
blatte dringend wünschen, fügen wir obiger Bitte noch diese ganz ergebenst 
hinzu, diese unsere Zuschrift gefälligst in Nr. 4 vollständig aufnehmen 
zu wollen. 
Wir haben es unterlassen wollen, eine größere Anzahl von Unter 
schriften einzuholen, wollen jedoch bemerken, daß die mehr als 300 Lehrer, 
welche mit uns dem Verein evangelischer Lehrer und Schulfreunde in 
Rheinland-Westfalen angehören, im wesentlichen denselben Standpunkt 
in der Sache einnehmen wie wir. 
Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Ordner, zum Schluß die Ver 
sicherung unserer hochachtungsvollen Ergebenheit. 
Barmen, 4. April 1883. 
Otto Biermann, Hauptlehrer in Barmen, 
zugleich im Namen der folgenden: 
Brinken, Höfler, Neuburg, Giebel, Lingenberg, v. d. Steinen, 
Vollmer, Stricker, Kielmann, sämtlich Hauptlehrer in Barmen. 
Anm. Der Abdruck aus Luthardts Zeitung war jetzt unthunlich. Die Red.
	        

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