Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Verhandlungen des Berliner Lokalvereins rc. 
hatten ihnen die Hohenpriester vorgeredet, denn gesehen konnten sie 
nichts haben, wenn sie geschlafen hätten, da bekanntlich der Mensch 
im Gegensatz zum Hasen mit geschlossenen Augen schläft, wie Valerius 
Herberger treffend bemerkt. Daß es in damaliger Zeit so wie heute 
ungläubige und thörichte Leute gegeben hat, welche historisch verbürgte 
Thatsachen, wie Christi Auferstehung, dadurch wegwischen zu können 
meinen, daß sie dieselben einfach leugnen, ist in dem in Rede stehenden 
Buche der ausdrücklichen Erwähnung wert erachtet worden, indem die 
Geschichte „vom leeren Grabe" mit den Worten schließt: „Solches ist 
eine gewisse Rede geworden bei den Juden, bis aus den heutigen Tag." 
Dieses Buch wird nun schon seit einem Jahrzehnt in den Berliner Ge 
meindeschulen, welche von mehr als 100,000 Kindern besucht werden, und 
in vielen Privatschulen gebraucht. Wie die Lehrer beim Bibellesen über 
die Differenzen zwischen Bibel und Historienbuch hinwegkommen, ist 
Redner dabei nicht klar. Diese Differenzen hat der Verfasser für weniger 
erheblich gehalten, als die zwischen Historienbuch und Gesangbuch, indem 
er die Lieder nach dem verwässerten Berliner Gesangbuch hat abdrucken 
lassen, um Differenzen zu vermeiden, welche Differenzen doch wesentlich 
weniger bedenklich wären, als solche mit der heiligen Schrift. 
An das Referat schloß sich, trotz der schon ziemlich späten Stunde, 
eine sehr lebhafte Debatte an, in welcher der Ordner namentlich noch 
auf die äußerst ungeschickte Auswahl der dem Bertram-Fürbringer- 
schen Buche beigegebenen Bibelsprüche hinwies; während Herr Super 
intendent a. D. Hammer die Notwendigkeit eines immer wieder erneuten 
Auftretens gegen derartige Lehrmittel wie das besprochene Geschichtsbuch 
betonte. Kaiser. 
Noch einige Worte über Herbarts Philosophie und Pädagogik, 
namentlich über ihr Verhältnis zum Christentum. 
Von G. Glöckner, Oberlehrer am Zillerschen Seminar in Leipzig. 
(Schluß.) 
Über die Mystik habe ich mich bereits oben erklärt. Wirft man 
uns Mangel an Mystik in der üblen Bedeutung des Wortes vor, so hat 
man recht; wir erblicken eben darin einen großen Vorzug. Man hat 
aber vollkommen unrecht, wenn man uns der Nichtanerkennung von 
Mysterien, der Nichtbeachtung des tief innerlichen Gemütslebens des 
Christen und des Deutschen beschuldigt, welches sich sehr wohl mit einem
	        

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