Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Glöckner, 
Soll aber das Ziel der Erziehung erreicht werden, so müssen die 
beiden Elemente der Tugend, Wille und Einsicht, in derselben Person 
geweckt werden. Denn ein Wille ohne die entsprechende sittliche Einsicht, 
der also nur aus Gewöhnung oder aus Furcht handelt, hat keinen sitt 
lichen Wert. Deshalb muß auch erst Einsicht in das Gute auf Grund 
selbstthätiger Urteile vom Zögling erworben werden, oder mit anderen 
Worten, es muß bei ihm die Überzeugung von dem unbedingten Werte 
des Guten vorhanden sein, ehe von ihm ans sittliche Anforderungen an 
ihn entstehen. („Wirbel") Selbstverständlich soll das Thun des Rechten 
bis dahin nicht unterbleiben, nur ist das Handeln, so lange die 
Einsicht fehlt, sittlichen Wertes ledig. Ebenso würde die 
richtige sittliche Einsicht ohne ein entsprechendes Wollen und Handeln 
eher mißfällig als wohlgefällig sein. Es darf daher nicht fehlen an 
echtem Wollen, dessen Gegenteil alles schwankende und mattherzige Streben, 
Laune, Unselbständigkeit, Furcht, Feigheit ist. Es muß ferner für die 
Bildung der rechten Einsicht gesorgt werden. Daran fehlt es vor allem 
dann, wenn an Stelle derselben eine bloße Stimmung des Gefühls oder 
nur eine einzelne Seite und Richtung davon, wo nicht überhaupt eine 
allgemeine Roheit des Gemütes, also ein Geisteszustand ohne allen idealen 
Gehalt, z. B. in der Form bloßer Meinungen und Ansichten vorhanden, 
ist. Fehler entstehen ferner dann, wenn statt des persönlichen Wollens 
bloß ein vereinzeltes, zerstreutes, unzusammenhängendes Wollen hervor 
tritt, ja vielleicht ein sich widerstreitendes; oder wenn irgend eine Art 
von Einseitigkeit sich geltend macht, wenn man also etwa bloß rechtlich 
oder bloß gütig sein will. Daher bedarf es auch einer „festgefügten 
Systematisierung der sittlich-religiösen Urteile"; sonst ist wenigstens die 
Gefahr zu befürchten, es möchte an der richtigen Einsicht fehlen und 
daraus moralische Fehler entstehen. („Wirbel") 
Dies unser Erziehungsziel soll nun aber ganz und gar nicht stich 
haltig sein, wenn man es dem christlichen Erziehungsziele gegenüberstellt, 
das als „Gottähnlichkeit" bezeichnet wird. Es ist ja bekannt, daß die 
Gottähnlichkeit vielfach als Ziel der Ethik hingestellt ist. Schleiermacher 
suchte ja schon die platonische Ethik darauf zurückzuführen; namentlich 
der neuere theoretische Idealismus, zu dessen Anhängern auch Stahl 
gehört, setzt dies Ziel. Aber was haben sie für einen Gott? „Es fehlt 
bei Stahl, wie bei Allen, die mit Hülfe des modernen idealistischen 
Spinozismus einen persönlichen Gott beweisen wollen, nur daran, daß 
er seine Gedanken vollständig ausdenkt, um bei dem wohlbekannten
	        

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