Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Settau, 
nach der Natur des Inhalts; daher gehört die Beziehung zwischen In 
halt und Form in den Begriff der Schönheit selbst als des objektiven 
Grundes des subjektiven ästhetischen Wohlgefallens. 
III. Mindestens unklar ist die Herbartsche These: „Sein ist ab 
solute Position". Denn hiermit zieht H. das Setzen des Seins in 
den Begriff des Seins hinein, woran sich ihm dann u. a. auch die irrige 
Annahme knüpft, die Zahl der realen Wesen können nicht unendlich sein, 
weil wir freilich, vom Endlichen ausgehend, niemals das Unendliche als 
eine bestimmte Größe setzen können, sondern bei jeder bestimmten Grenze 
denken müssen, es könne und solle noch weiter gegangen werden. Das 
Sein an sich hat aber in der That mit unserer Position nichts zu schaf 
fen. Es ist gerade das von unserm Setzen Unabhängige. Nicht das 
Sein, sondern unser Denken des Seins ist Position, und was (wie das 
Unendliche) außerhalb des Bereichs unserer Position liegt, liegt darum 
doch keineswegs außerhalb des Bereichs der Wirklichkeit. (S. 'Über 
weg, „System der Logik" und desselben „Grundriß der Geschichte der 
Philosophie"). 
IV. Unerweislich ist der Satz, daß „die gegenseitige Durchdrin 
gung der Vorstellungen ein punktuelles einfaches Wesen (die 
Seele!) voraussetze, das an einer einzelnen Stelle inmitten des Gehirns 
seinen Sitz habe" (vgl. Überweg, „System der Logik" §40: „Isoliert 
gedacht, mag die Einheit als Einfachheit erscheinen, wie andererseits die 
Vielheit, wenn sie isoliert wird, auf einen exklusiven Atomismus führt; 
die Thatsachen aber nötigen vielmehr, eine synthetische Einheit anzuneh 
men, die nicht ein punktuelles Substrat und nicht eine Vielheit auseinan 
derliegender Substrate, sondern ein harmonisch gegliedertes Ganzes sei. 
Der Punkt ist nur als Grenze denkbar und nur in der Abstraktion zu 
verselbständigen; die angenommenen punktuellen Wesen sind hypostasierte 
Abstraktionen"). 
V. Die Theorie der Selbsterhaltungen leidet an dem Wider 
spruch, daß nur das Alte erhalten und doch ein Neues geworden sein 
soll, welches letztere sogar nach Aufhebung der „Störung", die ihrerseits 
keine wirkliche Störung war, beharren soll. In dem Gegensatze der Vor 
stellungen, die nicht zusammen bestehen und einander nicht aufheben 
können, kämpfen zwei den Prinzipien nach absolute Notwendigkeiten mit 
einander, die sich nicht durch einen Kompromiß abfinden können. Daß 
ein Quantum gleich den schwächern Vorstellungen „gehemmt" werde, 
genügt nicht; es müßte mindestens die schwächere Vorstellung selbst
	        

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