Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

Die geistliche Schulinspektion. 
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besitzen, wohlgemerkt: in einem Mangel, der in erster Linie ein Mangel 
ist in ihrer Ausbildung als Kirchendiener, als Geistliche. 
Dazu kommt nun ein Zweites. Die Geistlichen haben sich bisher, 
ein jeder in seiner Weise, um ihre pädagogische Ausbildung bemüht; 
manchem hat der mehr mit Spott als mit Verstand bekämpfte sechs 
wöchentliche Seminarkursus nicht unwesentliche Dienste geleistet, und 
nicht wenige haben, wie schwerlich bestritten werden wird, Hervorragendes 
erreicht. Solches Bemühen findet sich auch noch heute und nicht ohne 
Erfolg. Wir sind aber überzeugt, es würde sich das heute in noch 
weit höherem Maße geltend machen, es würde auch ohne Seminare um 
die schulmännische Bildung der Geistlichen noch besser bestellt sein, als 
es der Fall ist, wenn nicht die heutigen Verhältnisse den Geistlichen die 
Empfindung erregten, es sei überhaupt ihre Schulthätigkeit nur noch 
eine interimistische. Das muß anders werden. Die Schulinspektion 
muß wieder ein Stück des geistlichen Amtes werden. Die nebenamtliche 
Stellung der Schulinspektoren — auch Dörpfeld ist in seiner Weise 
dagegen — ist durchaus vom Übel, nicht etwa nur im Hinblick auf das 
Unwürdige in dieser allzeit widerruflichen Anstellung, sondern vor allem 
im Hinblick auf die Schule, da dieser nebenamtliche Charakter der Schul 
inspektion das Interesse nnd die Thätigkeit der Geistlichen für die Schulen 
lähmen muß und thatsächlich lähmt, wie es anderseits auch den Vor 
gesetzten der geistlichen Schulinspektoren die Energie in den an sie zu 
stellenden Forderungen unterbindet. Aber wir verfolgen dies hier nicht 
weiter. Wir wollten nur herausstellen, wie unbegründet die prinzipielle 
Bestreitung der geistlichen Schulinspektion ist, herausstellen, daß Geist 
liche, gerade je vollausgebildetere Geistliche sie sind und 
je völliger ihnen die Schulinspektion als ein Privilegium 
übertragen ist, um so mehr auch für die Schulinspektion 
sich qualifizieren. 
II. 
So steht es um den ersten Einwand, den Dörpfeld gegen die geist 
liche Schulinspektion erhebt. Erwägen wir nunmehr den zweiten. Es 
wird, wie schon bemerkt, der geistlichen Schulinspektion weiter vorgeworfen: 
sie involviere ein großes Unrecht gegen den Lehrerstand, sie schädige dessen 
Berufsehre, dessen soziale Stellung und sittliche Haltung, ja, sie hindere 
die Lehrerschaft, ein selbständiger, durch Selbstdisziplin starker Stand 
zu werden. Wir irren wohl nicht, wenn wir in diesen Behauptungen 
den Kern der Opposition gegen die geistliche Schulinspektion erblicken; es
	        

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