Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

Die geistliche Schulinspektion. 
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Inspektion zur allgemeinen und dauernden Institution gemacht werden 
sollte. Da kann doch in der That von einer Kränkung der Standes 
ehre die Rede sein und deshalb von einer Pflicht, wenn auch der einzelne 
Geistliche die für ein solches Verhältnis erforderliche Demut besitzt, dennoch 
gegen eine solche Ordnung, im äußersten Fall durch Niederlegung der 
Inspektion, sich zu wehren; aber für die Lehrer liegt die Sache umge 
kehrt: nicht niedriger, sondern höher Gebildeten werden sie unterstellt; 
das werden auch sie hier, wo es sich nicht um technische Befähigung, 
sondern um Stand und Stellung, um soziale Ehre handelt, selbst aner 
kennen müssen. Und obendrein: bietet nicht das öffentliche Leben eine 
Fülle von Analogieen? Finden sie nicht ähnliche Verhältnisse auf dem 
Gebiet der Verwaltung und der Justiz, des Zoll- wie des Forstwesens? 
Hier wird zwischen höher und minder gebildeten Beamten eine Grenze 
gezogen, die ideell minder scharf motiviert ist wie die zwischen Lehren 
und Schulleiten einerseits und Schulaufsicht anderseits. Wir glauben 
mithin guten Grund zu haben, wenn wir sagen: soweit die geistliche Schul 
inspektion selbst in Betracht kommt, nicht aber die keineswegs mit der 
selben notwendig verknüpfte Vorenthaltung des Hauptlehreramtes uud der 
Teilnahme an Schulkollegien, ist ein objektiver Wahrheitsgehalt in Dörp- 
felds Erörterungen über das Unrecht, die Kränkung re., die für die Lehrer 
in der geistlichen Schulaufsicht liegen sollen, nicht vorhanden. 
Etwas anders jedoch stellt sich die Frage, wenn wir nun die sub 
jektive Berechtigung oder, wenn man will, die Begreiflichkeit der wesentlich 
von Standesinteressen diktierten Opposition gegen die geistliche Schul 
inspektion ins Auge fassen. Wir möchten durchaus nach allen Seiten 
gerecht sein, auch gegen die Lehrer, deren Stand wir aufrichtig und 
ehrlich lieben und ehren. Es ist ja unbestreitbar, daß sich die Schul 
aufsicht von seiten des Staates und der Kirche auch anders ordnen ließe, 
als sie gegenwärtig geordnet ist, und es ist ebenso unbestreitbar, daß es 
zur äußerlichen Hebung des Lehrerstandes beitragen würde, zur Förderung 
seines äußeren Ansehens, wenn die Schulinspektionsorgane, sei es auch 
nur bis zur Kreisinstanz, aus der Mitte der Lehrer genommen würden. 
Es ist freilich eine zweite Frage, ob diese Ordnung thatsächlich dem 
Stande zum Heil dienen, ob sie nicht das Strebertum fördern, ob sie 
nicht in weiten Kreisen direkt und indirekt nicht zu befriedigende Präten 
sionen wachrufen und dadurch die Unzufriedenheit schließlich mehren 
würde; aber das bleibt für jeden, der selbst einem Stande angehört und 
Standesbewußtsein kennt, begreiflich, daß die große Mehrzahl nach jener
	        

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