Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Lettau, 
der Individualität (bei H. nur „Verschiedenheit der Einkörperung"!) 
Sie würdigt nicht hinlänglich (nicht entsprechend unserm evangelischen 
Bekenntnis) die Kraft der Sakramente, besonders die der Taufe (vgl. 
S. 336 „Protest rc.") als „des Bades der Wiedergeburt und Erneuerung", 
und des Wortes Gottes. Glaube und Gewissen sind nach H. nicht 
sowohl unmittelbare Gottesgaben als vielmehr menschliche Errungen 
schaften (Standpunkt des einseitigen protestantischen Synergismus! s. auch 
S. 336, 341 ff. des Protests), womit also „die durchgängige Immanenz 
Gottes im Bekehrungsakte" ignoriert wird. — Im Gegensatz dazu müssen 
wir evangelischen Christen aber, insbesondere mit Rücksicht auf Römer 
10, 17, Joh. 6, 29, 44, I. Kor. 12, 3, an dem Bekenntnis festhalten 
(Augustana Art. V; „Der heil. Geist giebt den Glauben, wo und wann 
er will in denen, die das Evangelium hören rc." Vgl. Apologie rc. 
Art. 2: „Der Glaube, davon die Apostel reden (Apg. 15), ist nicht ein 
schlecht Erkenntnis der Historien, sondern ein stark kräftig Werk des 
heiligen Geistes, das die Herzen verändert." Ähnlich die Formula 
Concordiae Art. 3 und Luther in seinen Katechismen. Des Menschen 
Sache ist es, dem Glauben im Herzen Raum zu geben, die tausend 
Fäden, mit denen das Herz an die Welt und ihre Lust gefesselt ist, zu 
zerreißen, das Unkraut der Selbstsucht auszujäten. Denn aus der Welt 
lust und Selbstsucht entnimmt der „böse Feind" den Samen des Un 
glaubens, der leicht den guten Samen überwuchern kann. Daher die 
Mahnung: „Wachet, stehet im Glauben rc." I. Kor. 16, 13, und die 
Drohung Christi: „Der h. Geist wird die Welt strafen um der Sünde 
willen, daß sie nicht glauben an mich." Wesentlich ist also die Beteili 
gung des menschlichen Willens am Wachstum des Glaubens (die Arbeit 
an der Heiligung). Aber auch dieses Werk gelingt unserm Willen nur, 
wenn der h. Geist ihn unterstützt. Immer bleibt darum die Bitte nötig: 
„Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben!" Gott sei Dank, daß wir 
nicht selber das Fundament unserer Heiligung zu legen brauchen. (Vgl. 
auch Stahl, „Fundamente rc." § 43: „Die Grundwahrheit und das 
Motiv der Religion in der Lehre von der Willensfreiheit ist dieses, daß 
der Mensch seine Heiligung lediglich der Gnade Gottes, dagegen seinen 
Abfall und Widerstand sich selbst zuzuschreiben hat." Desgl. Formula 
Concord. Art. 2: „Wir können die Natur nicht fromm machen durch 
natürliche Kräfte zu Schmach dem Leiden und Verdienst Christi.") Gott 
sei Dank, daß Er uns sein Wort als das Band der Vereinigung, als 
seinen unvergänglichen Heilssamen, als seine eigne Kraft (I. Petri 1, 23,
	        

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