Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Die geistliche Schulinspektion. 
wird der auf deu Religionsunterricht bezügliche Teil nicht ohne die Zu 
stimmung des Kirchenregiments festgesetzt; ebenso ist die Wahl der 
religiösen Lehrmittel für Seminar wie Volksschule an seine Zustimmung 
gebunden. So wird der maßgebende Einfluß der Kirche auf den Religions 
unterricht gesichert. Allgemeine Bestimmungen für Seminar und Volks 
schule werden nicht getroffen, ohne daß Vertreter der Kirche, namentlich 
sofern es sich um die Stundenverteilung und den Betrieb des Geschichts- 
und Gesangunterrichts, um die Gestaltung der Schulandacht u. dgl. handelt, 
mitberaten und mitbeschließen. Über die Einführung deutscher Lesebücher 
wie der Lehrmittel für den Geschichts- und Gesangunterricht, sowie über 
die Anstellung der Lehrkräfte am Seminar und, sofern die geistliche 
Schulinspektion aufhören sollte, der Schulaufsichtsbeamten wird die Ver 
tretung der Kirche gehört. Wir haben diese Andeutungen über eine sach 
gemäße Ordnung des Verhältnisses der Kirche zur Schule dem Vor 
liegenden entsprechend auf die Volksschule beschränkt; es liegt aber auf 
der Hand, daß sich derartige Bestimmungen mutatis mutandis auch 
auf die höheren Schulen anwenden ließen. Durch solche Erweiterung 
derselben würde dann der Kirche nur in anderer, den heutigen Verhält 
nissen entsprechender Form die alte Stellung zur Gesamtschule zurück 
gegeben. 
Kehren wir zu unserer Schulinspektionsfrage zurück. Daß die Geist 
lichen als Geistliche für die Führung der Schulinspektion nicht qualifiziert 
sind, bestreiten wir; daß ihre Inspektion ein Unrecht gegen die Lehrer 
involviert, bestreiten wir; wir erkennen aber in der Opposition der Lehrer 
ein Moment subjektiver Berechtigung und einen Schaden für die Kirche, 
wir finden selbst bedeutende Mängel in der heutigen Ordnung und legen 
weit größeren Wert als auf diese auf eine Ordnung wie die oben ange 
deutete; ist daher das Verhältnis der Kirche zur Schule erst einmal in 
dieser oder einer ähnlichen Weise geordnet, dann ist u. E. die Frage, 
ob die geistliche Schulinspektion festgehalten wird oder nicht, für die 
Kirche eine Frage zweiten oder dritten Ranges; würde durch die Auf 
gabe derselben in weiten Kreisen der Lehrerschaft ein Hindernis herzlicher 
Sympathie für die Kirche beseitigt, wir wüßten nicht, aus welchem 
Grunde die Kirche mit Eifer darauf bestehen sollte, zumal ihren Organen 
die Inspektion des gesamten Religionsunterrichts verbliebe. Der Kirche 
ständen ja andere und zum Teil bessere Mittel zu Gebote, auf die Er 
haltung der Schule als einer christlichen Erziehungsanstalt hinzuwirken. 
Mit diesem Urteil schließen wir unsere Besprechung des Dörpfeld-
	        

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