Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

Die geistliche Schulinspektion. 
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schen Buches, das wir der Beachtung unserer Leser empfehlen. Wir ge 
statten uns aber noch eines hinzuzufügen. Ob schließlich -die geistliche 
Schulinspektion wird beibehalten oder aufgegeben werden: eine Ordnung 
des Verhältnisses der Kirche zur Schule, wie wir sie oben angedeutet 
haben, bleibt auf alle Fälle zu erstreben; sie ist ja nicht nur das er 
forderliche Surrrogat für den eventuellen Wegfall der geistlichen Schul 
inspektion, sie ist ebenso wohl das erforderliche Fundament, soll diese 
Institution für die Kirche wirklichen Wert haben; sie ist überhaupt das 
ideell wie historisch Geforderte. Eine solche Ordnung zu erstreben dürfte 
daher das vornehmste Ziel sein für alle die verschiedenartigen Bestrebungen 
für die Erhaltung der christlichen Schule, welche der Frankfurter Kongreß 
zusammenzufassen begonnen hat.*) Ein solches Streben scheint uns auch 
nicht absolut aussichtslos zu sein. Über das preußische Schulaufsichts 
gesetz ist unzweifelhaft das letzte Wort noch nicht gesprochen. Eine ein 
fache Repristinierung früherer Verhältnisse ist weder durchzuführen noch 
zu empfehlen; dagegen ist eine allen Seiten gerecht werdende Ordnung 
der Schulverwaltung, wie wir sie oben angedeutet haben, wünschenswert 
und nicht unerreichbar. Der geeignete Ort für die Fixierung einer derartigen 
Ordnung ist das Unterrichtsgesetz; wir wissen zwar, wie schwierig die 
Herstellung eines solchen Gesetzes ist; wir glauben aber, daß es schließ 
lich doch einmal wird hergestellt werden müssen; es gibt brennende 
Fragen, die allseitig als solche anerkannt sind, die keinen längeren Auf 
schub vertragen, z. B. die Lehrerdotationsfrage. Die neuesten Nach 
richten hierüber aber weisen darauf hin, daß die separate Durchführung 
einer einzelnen Partie eines Unterrichtsgesetzes nicht minder auf Schwierig 
keiten stößt. Heilsameres könnte der preußischen Volksschule nicht wohl 
widerfahren als die Fertigstellung eines solchen Gesetzes zu einer Zeit, 
da eine maßvolle und besonnene christlich-konservative Politik im preußischen 
Abgeordnetenhause von maßgebendem Einfluß ist. 
*) Es wäre daher dankenswert, wenn ein Sachkundiger sich entschlösse, eine 
orientierende Übersicht über die diesbezüglich vorhandenen Vereine und Be 
strebungen, die Unterschiede der einzelnen, namentlich der auf demselben Staats 
gebiet vorhandenen, resp. die Möglichkeit einer Vereinigung sämtlicher Be 
strebungen in d. Bl. zu veröffentlichen. Derselbe würde sich nicht nur den Dank 
vieler Leser verdienen, sondern unzweifelhaft auch der Sache der christlichen 
Schule einen Dienst leisten. — Die Red. des Ev. Monatsblatts fügt hinzu, daß 
ihr eine Entgegnung auf diese Artikel aus dem Kreise der rheinischen Mitglieder 
bereits zugesandt ist, und daß sie den von dort vielseitig geäußerten Bitten um 
Veröffentlichung einer solchen entsprechen wird.
	        

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