Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Classen, Bildung 
IV. Nach diesem Abschnitte wird „Förderung von Lehrgeschick, 
Übersicht und Beherrschung des Lehrstoffes" von Präparandenanstalten 
verlangt. So notwendig das Letztere, so verwerflich ist das Erstere. 
Lehrgeschick zu fördern, überlasse man den Seminaren in seinen Stunden 
für Pädagogik, Schulkunde und Schulpraxis. Die Präparandenanstalt 
ist nichts weiter denn Vorbereitungsanstalt fürs Seminar; eigentliche 
Berufsbildung hat erst das Seminar zu gewähren. Leider vergessen das 
so viele Präparandenbildner auch heute noch. (Die vom Staate noch 
geduldete, aber durchaus nicht als normal von ihm betrachtete Beschäfti 
gung von Präparanden in kleinen Schulstellen hat allein seinen Grund 
in dem immer noch teilweise vorhandenen Mangel an vorschriftsmäßig 
gebildeten Lehrkräften. Wie eifrig der Staat bemüht ist, diesen Übel 
stand abzustellen, zeigt die in dem letzten Jahrzehnt in großer Zahl ge 
schehene Gründung von neuen Seminaren.) — Im Schlußsätze sagt der 
Herr Pastor: „Diese Zwecke und Ziele werden — am billigsten in einem 
Internat auf dem Lande erreicht." Ich möchte sagen: Die Zwecke 
und Ziele der Präparandenbildung werden am besten in 
Königlichen Anstalten, die bei dreijährigem Kursus Inter 
nate sind und deren Lehrplan da abschließt, wo der Lehr 
plan der Seminare beginnt, erreicht. 
V. Gewiß sind Externate den Eltern kostspieliger und können zu 
mancherlei Verführungen und bedenklichen Exzessen führen; aber diese 
Verführungen und Exzesse sind nicht deshalb besonders zu fürchten, „weil 
der Präparand den jetzt sehr verdorbenen, niederen Volksklassen näher 
steht als der Gymnasiast." Ich meine, wir kommen der Wahrheit in 
der Beurteilung der einzelnen Stände in bezug auf ihren sittlichen Wert 
weit näher, wenn wir sagen: Ein jeder Stand stelle sich mit dem 
Zöllner von ferne und hüte sich vor dem Pharisäerwort: „Ich danke 
dir Gott, daß ich nicht bin wie andere Leute." Wer mit offenen Augen 
in der Welt lebt, der könnte, wenn er wollte, genug über die unter 
Gymnasiasten vorgekommenen und vorkommenden Verführungen und Exzesse 
— denke man nur z. B. an das geheime Verbindungswesen — klagen; 
aber das gehört nicht hierher. Wir wollen Präparanden und zwar an 
Leib und Seele gesunde Präparanden bilden, und für diese ist das 
Internat die geeignetste Erziehungsstätte, wo sie unter straffer, väterlicher 
Zucht stehen; denn 
VI. Man biegt den Baum am besten, wenn er jung ist. — 
VII. Von diesem Satze an sucht der Herr Pastor die Notwendigkeit
	        

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