Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Der Verein zur Erhaltung 
ist folgerecht darauf gerichtet und wird darauf gerichtet bleiben, auf die 
Volksschule einen bestimmenden Einfluß zu gewinnen und sie mit einem 
ihrer Weltanschauung entsprechenden Geiste auszurüsten. Mit einem Schlage 
und für immer ist dies erreicht, sobald der öffentlichen Volksschule der 
konfessionelle Charakter genommen und dafür der sog. einheitliche oder 
simultane aufgeprägt ist. Alle Hebel werden darum auch eingesetzt, 
um zu diesem Ziele zu kommen. Unter anderem soll der Patrio 
tismus helfen, indem die Meinung allseitig verbreitet wird, das Heil 
des Staates erfordere ganz unbedingt die Aufhebung der konfessionellen 
und die allgemeine Einführung der sog. einheitlichen (simultanen) Volksschule. 
Schon hierin allein liegt bei der Macht der nicht-christlichen Zeit 
strömung eine große und fortlaufende Gefahr für die Zukunft der evan 
gelischen Volksschule. Verschlimmert noch wird diese Gefahr durch die 
Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit, welche die große Menge in Schul- 
und Erziehungsfragen an den Tag legt. Auch mancherlei andere Um 
stände tragen zu ihrer Erhöhung bei. Beispielsweise ist unserem Volke 
das Bewußtsein von dem Wesen, der Bedeutung und dem Segen einer 
wirklich vom Geiste Christi durchdrungenen Volksschule in hohem Grade 
abhanden gekommen, weil nicht wenige evangelische Volksschulen schon 
längst nicht mehr das sind, was sie sein sollten, nämlich wahrhaft evan 
gelisch-christliche. 
Als ganz besonders verhängnisvoll für die Zukunft der evangelischen 
Volksschule dürfte indessen die große Vertrauensseligkeit der Mehrzahl 
ihrer Freunde sich erweisen. In unbegreiflicher Kurzsichtigkeit wähnt man 
sich sicher in seinem Besitz und ahnt nicht, daß gerade auf dem Schul 
gebiet die Zustände sich über Nacht ändern können. Zumal die Thatsache, 
daß in dem mächtigsten deutschen Staate, in Preußen, die Unterrichts 
verwaltung gegenwärtig den konfessionellen Volksschulen und einer ent 
schieden christlichen Jugenderziehung wieder günstig gesinnt ist, dient 
vielen zur Beruhigung. Gefahren für das Volksleben pflegen aber nur 
dann abgewandt zu werden, wenn sie allgemein oder doch ziemlich all 
gemein rechtzeitig erkannt werden. Kommt dagegen die Erkenntnis der 
Gefahr zu spät, so mag sie wohl Selbstvorwürfe mancherlei Art mit sich 
bringen, an der einmal heraufbeschworenen Niederlage aber wird nichts 
mehr zu ändern sein. 
Gerade die dermaligen Zustände in Preußen sind nur ein Beweis 
dafür, wie begründet es war, wenn seiner Zeit vr. Falk erklärte: „Über 
Geist und Wesen der Unterrichtsverwaltung in Preußen entscheidet stets
	        

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