Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

Abermals Herbart und Herbartianer. 
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und dem Wesen des Stoffes, insbesondere soweit er ein überlieferter ist, 
zumeist hervor. (Es wäre Sache der Psychologen nachzuforschen, ob im 
körperlichen Organismus der Deutschen etwa auch die sinnlichen Organe 
des Gehörs und gleicherweise bei dem des Romanen und Slaven, ins 
besondere des Franzosen und Russen, die des Gesichts charakteristisch, 
vielleicht vorwiegend ausgebildet sind.) „Es fragt sich, ob ein Unterricht 
(namentlich Elementarunterricht), welcher sich vorzugsweise auf „An 
schauung" gründet und vor allem „die Ferügkeit über Geschautes zu 
reden" erzielen will, oder ob „Hören" und „Schweigen" mehr zur Natur 
des deutscheu Kindes paßt, ob bei demselben zunächst mehr an den 
„innern" oder an den „äußern Sinn" zu appellieren ist. Vgl. auch, 
wie Wiese in seinen „Briefen über englische Erziehung" S. 21 den 
Unterschied des englischen und des deutschen Lehrers charakterisiert; jener 
spricht gleichsam: Sieh, was ich thue — dieser; 'Höre, was ich sage!" 
„Das Gewissen ist nicht ein einzelner, sondern ein dauernder 
Vorgang, eine solche Bestimmtheit des menschlichen Bewußtseins, wonach 
sich Gott in demselben als Richter der menschlichen Handlungen bezeugt. 
Wir unterscheiden a) ein natürliches, zur sittlichen Natur des Menschen 
gehöriges Gewissen — ein solches behält auch der Heide und der un- 
wiedergeborne Mensch, nur vergißt oder verkennt derselbe leicht, daß es 
Gott ist, der in dem Gewissen zu ihm redet — und b) ein begnadigtes 
Gewissen, ein durch den im geschriebenen Worte wirksamen Geist Gottes 
erwecktes, belebtes, gekräftigtes. (Den Grund der Schwäche des natür 
lichen Gewissens im Christen finden wir nicht in einem Mangel an 
Pflege desselben durch Lehre und Predigt, sondern darin, daß der Christ, 
der die göttlichen Gnadengaben mißachtet, nicht wird wie ein Heide, 
sondern schlimmer als ein solcher.) Wir erkennen in dem Gewissen und 
in der Prophetie (s. oben) ein Gemeinsames, nämlich das Reden Gottes; 
doch ist ersteres ein Reden Gottes zum Menschen, letzteres durch den 
Menschen; ersteres gehört zur Natur des Menschen (der Mensch als 
solcher hat auch ein Gewissen), letztere ist ein Wunder; ersteres begleitet 
alles menschliche Thun, letztere tritt hervor, je nachdem es Gott gefällt." 
— (Vergl. hiemit auch einen Ausspruch Luthers: „Wenn das natürliche 
Gesetz nicht von Gott in das Herz geschrieben wäre, so müßte man 
lange predigen und lehren, ehe der inwendige Mensch getroffen würde. 
Weil es aber zuvor im Herzen ist, obwohl dunkel und verblichen, so 
wird es mit den Worten wieder erweckt, daß ja das Herz bekennen muß: 
es ist also, wie die Gebote lauten.") (Fortsetzung folgt.)
	        

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