Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Luther - Dank. 
nur einen Knaben könnte damit auferziehen, daß ein rechter Christen- 
mann würde". 
Nun, Kriegs- und Wassersnot haben wir gehabt. Und großartige 
Summen, dem Elend zu steuern, sind aus freier Liebe zusammengelegt 
worden. Gedenken wir jetzt auch im Geiste Luthers der aus mancherlei 
Gründen schwer gefährdeten evangelischen Volksschule! Indem wir für 
sie und ihre Erhaltung eintreten, handelt es sich nicht bloß darum, einen 
Knaben christlich aufzuerziehen, daß ein rechter Christenmann aus ihm 
würde, sondern unserer ganzen deutschen evangelischen Volksjugend den 
Segen einer wahrhaft christlichen Jugenderziehung zuzuwenden und zu 
erhalten. 
Ganz und gar im Sinne Luthers — dies Zeugnis wird man uns 
allseitig gerne geben — haben wir nun schon seit 7 Jahren von seiten 
des Vereins zur Erhaltung der evangelischen Volksschule besonnen und 
doch ernst und wuchtig den Kampf geführt gegen die Zeitmächte, welche 
die Existenz unserer evangelischen Volksschule bedrohen. Schon vor drei 
Jahren jedoch mußten wir erklären, daß wir den Kampf nicht in gleicher 
Weise weiterführen könnten, wenn uns nicht vertrauensvoll ein Kapital 
von mindestens 60000 Mark in die Hände gelegt werde. Der Grund 
hierfür ist ein einfacher. Die Art und Weise der von uns zu entfaltenden 
Thätigkeit gestattet uns nicht, jüngere Kräfte in unseren Dienst zu ziehen, 
sondern wir bedürfen der vollen Arbeitskraft älterer, erfahrener Persönlich 
keiten, und wir müssen ihnen eine gesicherte Existenz bieten. Die römisch- 
katholische Kirche ist in dieser Hinsicht ungleich günstiger gestellt. Sie 
entfaltet auf dem Schul- und Erziehungsgebiet (man denke nur an das 
Kassianeum in Donauwörth) eine ganz außerordentliche, geradezu in 
Erstaunen setzende Thätigkeit. Aber sie verfügt auch nicht bloß — ver 
möge ihrer straffen Organisation — ganz nach Gutdünken über die ihr 
zu Gebote stehenden geistigen Kräfte, sondern sie hat auch zugleich Mittel 
genug, um allen, die sie in ihre Dienste zieht, eine auskömmliche und 
gesicherte Lebensstellung zu bieten. Bei uns müssen diese Mittel erst 
auf dem Wege freier Liebesthätigkeit zusammengebracht werden. 
Infolge nun unseres Aufrufs zur Gründung eines „Christlichen 
Schulfonds"*) sind uns bis dahin erst ca. 14 000 Mark oder — unter 
Hinzurechnung eines event, zurückziehbaren Kapitals — ca. 18 000 Mark 
eingehändigt worden. Daß trotzdem unsere Thätigkeit noch nicht ein- 
') Wir versenden diesen Aufruf noch gern auf Wunsch nach allen Seiten.
	        

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