Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Luther-Dank. 
entsprechen. Doch darauf wollen wir nicht näher eingehen. Unsere 
Überzeugung ist nur die: Je mehr früher versäumt worden ist, mit um 
so größerer Liebe und Hingabe müssen wir uns der jetzt noch vorliegenden 
Notstände im Volksschullehrerstande annehmen. Und da erinnern wir 
an die bedrängte Lage so mancher Volksschullehrer-Witwen und -Waisen, 
die ihre Stütze früh verloren haben, und so mancher Volksschullehrer- 
Emeriten, die ihre Kräfte im Dienste der Volksschule verzehrt haben. 
Für die einen wie für die anderen ist, wie allgemein zugestanden wird, 
noch immer nicht auskömmlich gesorgt. Treten wir ein, so lange es 
not thut, nehmen wir uns ihrer bedrängten Lage an, und machen wir 
eben damit auch die Anklage zu Schanden, die immer wieder gegen uns 
erhoben wird, als ob wir als evangelische Christen wohl stets darauf 
bedacht wären, unsere Rechte in betreff der öffentlichen Volksschule zu 
wahren, als ob wir aber nicht oder nur wenig geneigt wären, unsere 
Liebe zu der evangelischen Volksschule durch freiwillige Opfer der Liebe 
thatkräftig zu beweisen. Die andere Hälfte der unter dem Namen 
„Luther-Dank" in diesem Jahre uns zufließenden Gelder ist, so haben 
wir uns entschlossen, zur Bildung eines bleibend diesen Namen tragenden 
Unterstützungs-Fonds bestimmt, dessen Revenüen hinfort Jahr für Jahr 
besonders bedürftigen und würdigen Volksschullehrer-Witwen und -Waisen 
und Volksschullehrer-Emeriten zu gute kommen sollen. 
Jeder, der unsere eigene Notlage kennt, wird es verstehen, daß uns 
dieser letztere Entschluß nicht so ganz leicht gefallen ist. Wir konnten 
und durften indessen nicht anders. Beständig klang das „Gott will es" 
und „Es ist eine Sache seines Wohlgefallens" in unseren Ohren. 
Überhaupt wollen wir es gestehen, daß wir diesen unseren Aufruf 
nicht ohne ein gewisses Zagen in die Welt gesandt haben. Läßt die 
deutsche evangelische Christenheit uns im Stich, beantwortet sie nicht 
allseitig unsere Bitte mit freudigen und reichlichen Gaben, so wäre es 
besser gewesen, wir hätten gänzlich geschwiegen. Aus dem Mißlingen 
unsrer Sache würden dann die Gegner nur neues Kapital schlagen, und 
sie würden uns vorwerfen, daß wir wohl im stände seien, Lutherfeste zu 
feiern, daß wir aber weit davon entfernt seien, wirklich im Sinne und 
Geiste Luthers und auf Grund des ihm eigenen Scharfblicks ein Herz 
zu haben für die deutsche evangelische Volksschule. 
Doch nein, wir wollen nicht zagen. Wie viel thun nicht unsere 
Glaubensbrüder in Holland für die Erhaltung und die Pstege eines 
evangelischen, eines christlichen Volksschulwesens! Sie unterhalten nicht
	        

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