Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Beleuchtung der Artikel: 
andere sehr wichtige Punkte zur Besprechung kommen, z. B. daß die 
Schule kein Zankapfel der politischen Parteien sein dürfe, daß die 
büreaukratische Form der Verwaltung große Schäden im Gefolge habe, 
ferner die wichtigen 7 Thesen über die technische Inspektion. Da das 
Buch sich an alle wendet, die Interesse an der Schule haben, so hätte 
Rez. es besehen müssen, wenn auch das Privilegium*) der geistlichen 
Schulaufsicht gar nicht in Frage gekommen wäre. Jetzt liegt der Ge 
danke nahe, daß sein Interesse an dem Buche nicht nur ein einseitiges, 
sondern sogar ein parteiisches sei. 
Das seine Blöße so offen darlegende Geständnis des Rez. läßt zu 
gleich wieder deutlich die eingangs erwähnte Unklarheit erkennen. In 
Dörpfelds Leidensgeschichte ist nirgends die geistliche Schulinspektion 
bestritten. Im Gegenteil macht Dörpfeld ausdrücklich darauf aufmerksam, 
daß in dieser Frage der Blick nicht auf die Geistlichen als solche ge 
richtet sein dürfe, und daß er nicht gegen die Geistlichen als Geistliche, 
sondern als Nichtfachmänner spreche. 
Unsere besondere Aufmerksamkeit hat des Rez. Behauptung erweckt, 
daß Dörpfeld, „wenn auch nicht voll und ganz auf dem Boden der 
Kirche, doch auf dem Boden des positiven Christentums stehe und darum 
bedacht ist, seinerseits auch die Interessen der Kirche bei der Neuordnung 
wahrzunehmen". Zunächst registrieren wir hier das Zugeständnis, daß 
man auf dem Boden des positiven Christentums stehen kann, aber doch 
nicht voll und ganz auf dem Boden der Kirche, um unser Bedauern 
darüber auszudrücken, daß beide Begriffe sich nicht decken sollen**). Dann 
*) Der Herausgeber des Blattes hält es für mißlich, überhaupt hier ein 
Privilegium zu sehen. Die geistliche Schulaufsicht ist vielmehr für den Orts- 
pfarrer ein unbezahltes verantwortungsreiches Nebenamt und will auch von dieser 
Seite gewürdigt sein, das er unseres Erachtens um Grttes willen, auch unter 
erschwerenden Umständen um der Kirche, des Vaterlandes und der Schule willen, 
gern und freudig als von Gott gegeben verwalten muß. 
**) Zu beachten ist, daß dergleichen eine häufige Redeweise ist. Es ist eben 
üblich geworden, den Ausdruck Kirche nicht bloß in dem mystischen, eigentlichen 
Sinne des Leibes Christi zu nehmen, sondern ihn auch auf geschichtliche Ge 
staltungen der Kirche, z. B. auf Bekenntnis-Kirchen nnd Verfassungs-Kirchen, an 
zuwenden. Soviel wir sehen, vermißt man vielfach unter Christenleuten an 
Männern anderer Richtung „Kirchlichkeit", ohne damit des Unglaubens zu 
beschuldigen. Die in dieser Hinsicht vorhandenen Differenzen kann unser Blatt, 
das ja keine Kirchenzeitung ist. nicht einmal durchsprechen, geschweige denn aus 
zugleichen suchen. Sie wollen einstweilen getragen sein im Glauben, daß 
doch Eine heilige Gemeinde des HErrn in aller Welt schon vorhanden ist, die
	        

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