Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Beleuchtung der Artikel: 
habe, und sich an den Kämpfen für die Synodal-Ordnung beteiligt. 
Dennoch würde er sich nicht gerne den Vorwurf machen lassen, daß er 
das Heil der Kirche in einer Kirchenverfassung sehe. Mit welchem 
Recht macht Rez. denn seine Unterstellung? Ähnliches geschieht, wenn 
von D.'s Vorschlägen behauptet wird: „sie sind nicht frei von der unter 
„fachmännischen" Schulpolitikern häufig herrschenden irrtümlichen Auf 
fassung, als sei die Schule eine dem Staate und der Kirche koordinierte 
Institution". D. hat seit Jahrzehnten am nachdrücklichsten darauf hin 
gewiesen, daß die Schule in ihrer jetzigen Gestalt*) nicht eine Staat 
und Kirche koordinierte Institution sei**). 
Gegenüber D.'s positiven Vorschlägen macht Rez. den Einwand 
geltend, „daß die geforderte Funktion des Lokalvorstandes eine schwer 
durchführbare Scheidung in der Inspektion mache". Am Niederrhein 
ist dieser Unterschied gemacht worden, und der Herr Rez. aus Preußen 
wird sicher wissen, daß bei den Kuratorien sämtlicher höheren Schulen 
diese Scheidung thatsächlich besteht; denn dieselben haben mit dem 
Technischen absolut***) nichts zu thun. Nur bei mangelhafter 
Orientierung oder nicht genügendem Nachdenken kann diese Scheidung für 
schwierig gehalten werden. Es ist diese Behauptung ebenso wunderlich 
wie der Verzicht auf die Diskussion der Vorschläge, welche wieder damit 
motiviert wird: „Das Hauptinteresse des Buches liegt in der Bestreitung 
der geistlichen Schulinspektion". (Wir gestehen offen, daß wir angesichts 
der mehrmaligen Hervorkehrung dieses Punktes es nicht haben verstehen 
können, wie ein Schulblatt diese Artikel ohne weitere Bemerkungenf) 
gleichsam als eigene Warnung hat zum Abdruck bringen können. Doppelt 
unerklärlich ist das bei einem Blatte, welches für christlich und für 
patriotisch angesehen sein will; also doch auch Matth. 7, 12 und den 
Wahlspruch „Jedem das Seine" kennen müßte). 
*) Aber jener Herr wird eben meinen, die Schule könne ihrem Wesen nach 
nie eine der Kirche oder dem Staate koordinierte Institution sein. Ist das denn 
falsch? Die Red. 
**) Siehe Dörpfeld: „Die freie Schulgemeinde auf dem Boden der freien 
Kirche im freien Staate" und „Die drei Grundgebrechen der hergebrachten Schul 
verfassungen". 
***) Das ist bei dem Kuratorium des Bugenhagenschen Gymnasiums in 
Treptow a. R. statutenmäßig anders, da das Kuratorium sogar mit der Auf 
stellung des Lehrplans zu thun hat, und da neben dem Direktor in demselben 
ein „technisches Mitglied" fungiert: der erste Ortsgeistliche. Die Red. 
f) Wenn wir keine Bemerkungen hinzufügen, so erklären wir darum noch
	        

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