Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

Zum Luther»Jubiläum- 
. 393 
Daß Luther nicht bloß als Reformater, sondern auch als Kind seiner Zeit 
gewürdigt und darum nicht als unbedingtes Ideal hingestellt wird, halten wir 
für ganz gesund, ja für echt evangelisch und Luthers Geiste selbst entsprechend. 
Dennoch erscheint es uns bedenklich, daß davon die Rede ist, die Schule sei durch 
ihn wegen Verbindung mit der Kirche an einer selbständigen Entwickelung bis 
an unsere Zeit gehemmt worden. Die Schule muß sich jedenfalls bewußt bleiben, 
daß sie der Kirche so wenig wie dem Staate je koordiniert sein kann; die Schule 
ist vielmehr ein Organ, durch welches Kirche, Staat und Menschheit auf die 
Jugend einwirken. Die Mängel, welche diesen drei Mächten in ihrer irdischen 
Entwickelung anhaften, wirken natürlich auf die Schule zurück. 
B 1, 3, 5 gekürzt und die Vorrede zum kleinen Katechismus findet man 
(im jetzigen Deutsch) auch in dem ersten Bande des beachtenswerten, unter Mit 
wirkung des pommerschen Schulrats Fr. Schultz von Seminardirektor Sperber, 
im Verlage von Bertelsmann, herausgegebenen vierbändigen Werkes: Päda 
gogische Lesestücke aus den wichtigsten Schriften der pädagogischen 
Klassiker, 1377 S. 4-35, wo sich bis S. 73 Stücke von Melanchthon, Zwingli. 
Bugenhagen, Brenz anschließen. — Dr. Schumanns*) (jetzt Schulrat und 
Prediger in Trier) Pädagogische Chrestomathie ist wohl noch nicht so weit gediehen. 
Dr. Johannes Delius (Gymnasiallehrer in Eisenach). Martin Luthers 
Schriften in Auswahl. Gotha. F. A. Perthes. 1883. XIV u. 336 S. 8. Mit 
Titelbild nach Cranach von König. Kaliko-Einband mit Reliefprägung (Luthers 
Brustbild.) M. 2,40. 
Enthält bei aller Knappheit doch eine möglichst vielseitige und reiche Aus 
wahl von Luthers Schriften für Schule und Haus nebst einem ganz kurzen Ab 
riß von des Reformators Leben (S. 1—6), historischen Einleitungen und ein 
zelnen erklärenden Anmerkungen unter dem Text, bezw. in eckigen Klammern 
im Text. Den Anfang bildet die Vorrede zum ersten Teil der Wittenberger 
Ausgabe von 1539 (enthält u. a. Luthers Anweisung, wie man die Bibel lesen 
soll). Sodann in erster Linie sind natürlich diejenigen Schriften berücksichtigt, 
die auf die Reformation unmitelbar bezug haben: Die „95 Hhesen", „An den 
christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung", „Von 
der Freiheit eines Christenmenschen". Es folgen, mit einigen unwesentlichen 
Kürzungen, die für Staat und Schule wichtigen Schriften: „Eine treue Ver 
mahnung an alle Christen, sich zu verhüten vor Aufruhr und Empörung", „Von 
weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei", „An die Rats 
herren aller Städte über Errichtung von Schulen". „Die Heerpredigt wider die 
*) Teil I bietet die pädagogischen Meisterwerke des orientalischen Altertums 
(Chinesen, Perser, Indier, Ägypter) und der alten Griechen. VIII und 396 S. 8. 
Hannover, Carl Meyer. 3 Mk., Teil II die der alten Römer und des Mittel- 
alters VI. und 396 S. 8. 3 M. Auf dieses Werk machen wir wiederholt auf 
merksam, desgleichen auf desselben Verfs. Leitfaden der Pädagogik in gleichem 
Verlage (3. Auflage 1881). I. Systematische Pädagogik und Schulkunde. VIII 
und 256 S. 8. 3 M. II. Geschichte der Pädagogik. VIII und 279 S. 8. 3 M. 
zumal hier neben andern Stellen Luthers S. 79—91 die Schrift an die Rats 
herren von Errichtung christlicher Schulen abgedruckt ist.
	        

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