Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Zum Luther-Jubiläum- 
Türken", die uns den Reformator als begeisterten Patrioten vorführt, bildet 
den Übergang zu den Predigten, von denen zwei seiner schönsten (wider die 
Schwarmgeister am Sonntag Jnvocavit 1522 und die für den Pfingstmontag 
aus der Hauspostille) mitgeteilt sind. Daran schließen sich naturgemäß eine 
Anzahl geistlicher Lieder, die uns Luther als Schöpfer des deutschen Kirchen 
liedes zeigen, nebst etlichen Gebeten. In einigen Proben seiner Bibelerklärung 
(namentlich den klassischen Vorreden zum Psalter und zum Briefe an die Römer) 
lernen wir ihn ferner als den unvergleichlichen Schriftausleger kennen. Als 
eins der wesentlichsten Stücke des Ganzen folgt darauf eine Auswahl von Briefen. 
Den Schluß bilden endlich etliche kleinere Sachen vermischten Inhalts und einige 
Proben aus den Tischreden. 
So eignet sich das Buch, welches auch als treffliches historisches Lesebuch 
gelten darf, bei seiner eleganten Ausstattung besonders als Prämie und Fest 
geschenk, ist auch für Schülerbibliotheken sehr zu empfehlen. An einer — schein 
baren — Kleinigkeit haben wir jedoch Anstoß genommen (S. 2), daß nämlich 
Luther erkannt habe, durch den Glauben an Christum, d. h. durch innige 
Herzensgemeinschaft mit ihm werde man gereckt und selig. Ist das 
objektiv Luthers Erfahrung? Daß der Sünder, so beschwert er ist, die freie Gnade 
Gottes in Christo ergreift, das macht ihn vielmehr gerecht, so schwach auch 
die Hand sein mag, die zugreift. Und diese Erfahrung allein kann arme Sünder 
trösten. Daß wir ja nicht im Lutherjahre aus unserm Glauben etwas machen, 
das als Tugend dargestellt werden könnte: um Christi willen werden wir 
gerecht vermöge des Glaubens als des Mittels, das ihn erfaßt, aber nicht etwa 
um des Glaubens willen. kriueiplw obstu. Wird doch der Hauptartikel der 
Augustana nur zu oft oberflächlich gefaßt und dadurch dem evangelischen Leben 
unsäglicher Schaden gethan. 
Friedrich Baum: Das Leben D. Martin Luthers. Der deutschen 
evangelischen Christenheit und insbesondere auch der Jugend derselben erzählt. 
2. Abdruck. Nördlingen, 1883. C. H. Beck. V und 291 S. 8. 
Der Evangelische Oberkirchenrat in Berlin hat in einer Zuschrift 
an die Verlagsbuchhandlung Baums Jllustr. Leben Luthers ein „durch sorg 
fältige Darstellung und künstlerische Ausstattung hervorragen 
des Buch" genannt. Wir treten diesem Urteil nach eigener Prüfung vollständig 
bei und rühmen auch die Gediegenheit echt evangelischen Glaubens, welche das 
Ganze durchweht. Deshalb machen wir mit besonderer Freude, namentlich zur 
Verbreitung unter evangelischen Schülern, auf das Buch aufmerksam, das sich 
— ungeachtet des reichen Schmuckes von Abbildungen, der es für den jugend 
lichen Leser zumal doppelt empfehlen wird, auch durch einen sehr billigen Preis 
auszeichnet. Es kostet in einzelnen Exemplaren im Buchhandel (bei 18 3 / 4 Bog. 
Umfang nebst 13 Vollbildern und 36 Textillustrationen, fast ausnahmslos nach 
gleichzeitiger Darstellung) 1,75 M. geheftet und 2,50 M. fein in Ganzleinen 
gebunden; um aber den S ch u l a n st a l t e n die Empfehlung des Buches zu 
erleichtern, hat der Verleger sich entschlossen, denselben bei Bezug von 150 Exem 
plaren auf einmal eine Preisermäßigung auf 1,20 M. für das geheftete 
und 1,80 M. für das gebundene Exemplar einzuräumen. Unter den bis jetzt 
erschienenen Lutherbiographien für die Jugend jedenfalls ein hervorragend wert-
	        

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