Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

von seiner schwierigen Seite aus betrachtet. 
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und Elenden, seine Milde gegen seine Feinde, seine Wunder, Lehren und 
Abschiedsreden, und endlich und namentlich sein Leiden zeigen dies. Und 
das Leben der ersten Christengemeinden, wie es die Apostelgeschichte und 
wie es nichtchristliche Schriftsteller schildern, beweisen es. Da giebt 
es keine Habgier mehr, die der Witwen Häuser ehemals fraß (wie es 
der Heiland tadeln mußte), keinen geistlichen und weltlichen Hochmut 
mehr, keine Spaltung auf irgend einem Gebiete; selbst nationale Schranken 
fallen. Die Sonne der Liebe hatte die kalten Fesseln, welche ehemals 
die Herzen gefangen hielten, geschmolzen. Die Christen waren ein Herz 
und eine Seele und zeigten dies durch die Gütergemeinschaft, durch ge 
meinsames Brotbrechen und Gebet, durch ihre Krankenpflege, Armen 
pflege, Mission, Sorge für die leidenden Brüder in der Diaspora, so 
daß selbst die rohen Heiden ausrufen mußten: „Seht, wie sie einander 
so lieb haben!" Sie, die Christen aus Israel konnten singen: „Wir sind 
die Erlösten, der Strick ist entzwei, und wir sind los!" Und der Tauf 
befehl zeigt, daß wir auch dieser Erlösung teilhaftig werden sollten, und 
wir sind es geworden, auch wir Deutsche, ehemals (wie die Kinder in 
der Weltgeschichte gelernt haben) ein wildes Volk mit wilder Sprache 
und wilden Sitten in einem wilden Lande, und jetzt! — Und c. ein 
Vergleich mit den Heiden und Muhamedanern der Jetztzeit ist den 
Kindern auch möglich. Die Despotie, Sklaverei, Vielweiberei, das 
Menschenfressen, Töten der Kinder, Verbrennen der Witwen, Menschen 
opfer sind in Geographie und Geschichte erwähnt worden. Der Lehrer 
nehme dies alles hier im Katechismus-Unterrichte nicht etwa von neuem 
und ausführlich durch, sondern nehme nur deutlichen Bezug auf die Er 
gebnisse des frühern Unterrichts, so daß das Kind sich klar werde über 
die Frage: „Was hast du vor einem Kinde der Heidenwelt im voraus?" 
Zur Einsicht kommt: Die Notschreie der geopferten Menschen und Tiere 
der alten Welt haben sich aufgelöst in Jubel- und Dankgesängen unter 
dem Kreuze von Golgatha, wo endlich uns und mit uns aller Kreatur, 
die sich mit uns bisher vergebens sehnete und ängstigte immerdar, die 
Frucht des Sehnens, die Erlösung ward, das Zeichen, daß wir gött 
lichen Geschlechts und damit göttlichen und ewigen Wertes seien. 
Alles dies zu wissen ist heutzutage besonders notwendig. Wie einst 
zu Christi Zeit, hallt auch heut jener Verzweiflungsruf Pilati in der 
Welt wieder: „Was ist Wahrheit?" Die vielen religiösen Gemeinschaften 
sind die verkörperten Antworten auf die weltumfassende Antwort jenes 
Skeptikers, in ihrer Verschiedenheit dokumentierend, wie wenig wir durch
	        

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