Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Heintze, Die Aussprache 
setzt jetzt Booch-Arkossy beides = ds an, mit dem Bemerken, daß die Süd 
amerikaner c als ß aussprechen. Es wird nun nicht viel verschlagen, ob 
man c und z so oder so spricht, ob man z. B. barsselona oder bardse- 
lona (allenfalls auch einfach nach dem Deutschen Barzelona), ob man 
arauebu68 oder arauobuedZ sagt, wenn letzteres nur nicht, wie man so 
häufig hören muß, französisch ausgesprochen wird: arangsbues *) („die 
schönen Tage von A."), was natürlich gar keine Berechtigung hat. 
Wo die Aussprache unsern Organen Schwierigkeit macht, lasse man 
von der Strenge der Forderungen nach; so verlange man nicht durchweg 
die gutturale Sprechung des g und j = ch, sondern bequeme sich hierin 
dem Deutschen an. 
Gibraltar aber ist bei uns ganz in deutscher Aussprache eingebür 
gert mit dem Ton auf der mittleren Silbe; das Verlangen, es genau 
nach dem Spanischen chchibraltär zu sprechen, ist wenig berechtigt, zumal 
der Ort gar nicht in den Händen der Spanier, sondern der Engländer 
ist, welche diesen „Berg des Tarik" nach den Regeln ihrer Sprache 
dshibroalter nennen. 
Merkwürdig ist es uns mit Mexiko und Texas ergangen. Wäh 
rend vor einigen Jahrzehnten manche mit besonderem Nachdruck meobilro 
und t6oba8 sprachen und jeden, der es anders aussprach, mitleidig über 
die Achsel ansahen, ist jetzt, nachdem die Nordamerikaner ersteres teilweise 
und letzteres ganz annektiert haben, das x wieder zu Ehren gekommen 
und salonfähig geworden. 
Die portugiesische Aussprache, insoweit sie von der spanischen 
abweicht, kann man in der Schule füglich bei Seite lassen. Die Be 
ziehungen zwischen Deutschland und Portugal, den beiderseitigen Völkern, 
Sprachen und Litteraturen sind in der That zu gering, als daß man 
das Gedächtnis des Schülers mit diesem Ballast zu beschweren brauchte. 
Uud wie wunderlich klingt es nicht, wenn es heißt: Toledo am Täobo, 
aber Lissabon am Tesho (oder Tesbn), während es doch derselbe Strom 
ist! Freilich kommt der Tesho bei den Namen der portugiesischen Pro 
vinzen vor in Alemtejo; aber diese kleinen Provinzen braucht man ebenso 
wenig lernen zu lassen, als die französischen Departements oder die 
englischen Grafschaften. 
Statt Sao Vicente (spr. ssong wissengte), wie neuerdings vor 
geschrieben wird, ist Sankt Vincent eingebürgert. Nur in Südamerika 
*) sh soll das weiche sch bezeichnen, — franz. j.
	        

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