Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

von Schule und Haus bei der Erziehung. 
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Es kann nicht unsere Aufgabe sein, die Notwendigkeit des Zusammen 
wirkens von Schule und Haus in bezug ans die einzelnen Erweisungen 
sittlicher Vollkommenheit, wie sie das christliche Bildungs-Ideal in sich 
begreift, des nähern darzulegen. Nur im allgemeinen auf Grundlage, 
Weg und Ziel hingewiesen zu haben, wird genügen. Wir wenden uns 
daher nunmehr zu der zweiten Frage: Inwieweit ist ein solches 
Zusammenwirken möglich? 
II. 
Die Einwirkung des Erziehers auf den Zögling ist wesentlich bedingt 
durch die Autorität, mit welcher derselbe bekleidet ist. Diese ist im 
Hause stärker als in der Schule. Die natürlich bedingte Abhängigkeit 
der Kinder von den Eltern wird das Motiv zur sittlichen That des Ge 
horsams. Gleichwohl hat die Schule die Aufgabe, diese Pflicht des 
Gehorsams, der Ehrerbietung, der Liebe gegen Vater und Mutter als 
eine heilige, von Gott ihm auferlegte, dem Kinde zum Bewußtsein zu 
bringen, und je mehr es ihr gelingt, das vierte Gebot nach seinem 
ganzen heiligen und verheißungsreichen Inhalt demselben ins Herz zu 
prägen, desto besser sorgt sie zugleich für die Wahrung und Stärkung 
ihrer eigenen Autorität, wie auf der andern Seite der Lehrer nicht schlimmer 
sein Ansehen in den Augen des Schülers schädigen kann, als wenn er in 
Gegenwart desselben tadelnde oder wegwerfende Äußerungen über dessen 
Eltern sich erlaubt. Scenen wie diese: Schülerin: „Herr Lehrer, meine 
Mutter sagt, solche Exempel brauchte ich nicht rechnen zu lernen." Lehrer: 
„Sage deiner Mutter, davon verstände sie nichts" — beweisen auf der 
einen Seite ebensoviel Mangel an pädagogischem Takt, wie auf der 
andern an Bildung. Wie aber hier die Schule dem Hause, so ist auch 
dieses jener gegenüber zu achtungsvoller Rücksichtnahme verpflichtet und 
kann in mehr als einer Hinsicht das Ansehen des Lehrers in den Augen 
der Kinder heben. Unwillkürlich werden diese den Lehrer achten und 
lieben, von dem sie Vater und Mutter stets nur mit Liebe und Hoch 
achtung sprechen hören. 
Die Schule erzieht zur Ordnung und zum Gehorsam durch ihre 
Ordnungen und Gesetze. Kann sie hierin auch nicht immer auf die 
Wünsche nnd Bedürfnisse des einzelnen Hauses Rücksicht nehmen, so ist 
doch dieses in jedem Fall verpflichtet, sich jenen zu fügen, und durch die 
Willigkeit und Gewissenhaftigkeit, mit der es dieser Pflicht genügt, wird 
es zugleich des Kindes Pflichtgefühl und Ordnungsliebe kräftigen und
	        

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