Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Christliche Gedanken über Herbart 
nicht Wissenschaft im eigentlichen Sinne (vgl. 1. Kor. 2, 4). Die Philo 
sophie aber als Wissenschaftslehre kann nur normativ oder maßgebend 
sein für das Gebiet der Dinge, die wir wissen können. Für das Ge 
biet des Glaubens ist nur der Glaube selbst der normative Kompetenz- 
Gerichtshof (1. Kor. 2, 15), für die Unterweisung im Glauben kann 
ich daher weder der „Wissenschaft" noch dem Staate auch nur das jus 
circa sacra der Methode oder vorbereitenden Methode zuerkennen. Die 
Methode ist der Weg; wie kann aber die in Glaubenssachen blinde Wissen 
schaft als solche den Weg zu einem ihr unbekannten Ziele zeigen? (Vgl. 
1. Kor. 2, 13. — Wie kann ferner die Wissenschaft Vormund und Ritter 
des Glaubens sein? Wird dann dem Glauben der Kampf der persön 
lichen Ritterschaft erspart? Ist nicht unser Glaube selbst der Sieg, der 
die Welt überwunden hat? 
Die Frage, ob die Herbartische Philosophie dem Glauben ähnlich 
oder widersprechend sei, ist eigentlich prinzipiell überflüssig. Wenn aber 
Glöckner mit Entrüstung den pantheistischen Gottesbegriff abweist, weil 
darin Gott sich vermittelst und in der Welt zum Selbstbewußtsein erhebe, 
wenn er ferner auf O. Flügels brauchbaren Gottesbegriff hinweist, so 
bin ich zwar weit entfernt, die vielfachen Verdienste dieses herzerfreuend 
klaren Denkers zu verkennen, — aber sein Gottesbegriff ist, wie mir 
scheint, deistisch (in dem theologisch jetzt gebräuchlichen Sinne — vgl. 
Herzogs Realencyclopädie, neue Aufl., Artikel „Deismus.")*) 
Wir finden bei ihm, soweit ich richtig sehe, einen Gottesbegriff, den 
der evangelische Christ sich ebensowenig aneignen kann, wie den des Pan 
theismus, wo Gott sich nur „vermittelst und in der Welt zum Selbst 
bewußtsein erhebt." Ist es denn viel anders, wenn bei Flügel das 
Selbstbewußtsein Gottes erst durch Berührung mit dem Weltstoff entsteht, 
oder wenn der Weltstoff und dessen Kontakt die objektive Grundlage 
für Gottes Selbstbewußtsein abgeben soll? Abgesehen von allem andern, 
wo bleibt denn die Trinität? 
Wenn wir aber auch von der Mangelhaftigkeit des Flügelschen 
*) O. Flügel in seiner Kritik der spekulativen Theologie S. 349 nimmt an: 
Gott sei bei der Weltschöpfung mit allen schon von Ewigkeit her in relativer 
Selbständigkeit existierenden Realen (Monaden) zusammen gewesen. „Hiermit 
sei eine unermeßliche Fülle von inneren Zuständen in Gott gesetzt, ohne daß er 
dadurch etwas Fremdartiges in sich aufgenommen hätte." „Mit diesen Zuständen 
mag zugleich die objektive Grundlage des göttlichen Selbstbewußt 
seins gegeben sein." „Auf Grund dieser inneren Zustände erkannte Gott die 
Qualitäten der verschiedenen Realen auf eine anschauliche Weise rc."
	        

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