Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Verhandlungen des Berliner Lokalvereins 
auf den Unglauben und Materialismus der Zeit wie auf die Zuchtlosig 
keit eines großen Teils unserer heutigen Kinder wohl kaum eines Beweises. 
Man blicke nur einmal offenen Auges um sich. Wie viel Haß und 
Feindschaft gegen Christum und seine Lehre, wie gegen diejenigen, welche 
sich offen zu dem Evangelium von dem gekreuzigten und auferstandenen 
Gottes- und Menschensohne bekennen, tritt uns nicht überall entgegen; 
angefangen von den Kreisen der sogenannten Gebildeten, die den Kultus 
der von ihnen über Gottes heilige Offenbarung gestellten menschlichen 
Vernunft nur treiben, um den Stachel in ihren Herzen, welcher wieder 
und immer wieder mahnt, „und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt", 
zu übertäuben, bis herab zu der breiten Masse des Proletariats, welche, 
die nicht oder die nur halb verstandenen Lehren einer wahnwitzigen, 
verblendeten Philosophie nachleiernd, den frevlen Ruf erhebt, „es giebt 
keinen Gott!" Und wie viel Zuchtlosigkeit und Auflehnung gegen alle 
göttliche und menschliche Ordnung ringsumher! Wie oft vernimmt nicht 
der Schulmann die Klage aus Elternmunde, daß die Jugend nicht mehr 
zu bändigen und zu ziehen sei. Wahrlich, da thue eine Wirksamkeit, 
wie sie unser Verein sich zum Ziele gesetzt habe, dringend not, und 
deshalb gelte es, nicht zu ermüden und zu verzagen, sondern auch im 
neuen Jahre unter Beten und Seufzen redlich weiter zu streben und zu 
arbeiten; der Segen Gottes des HErrn werde alsdann nicht fehlen. 
Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen, unter denen namentlich 
die Anzeige Aufsehen erregte, daß ein bisheriges Mitglied, dem es 
jedenfalls vor dem vermessenen Unterfangen, die Berliner Schulverhält 
nisse einer Besprechung unterziehen zu wollen, graue, seinen Austritt aus 
dem Verein angemeldet habe, nahm Lehrer Siel aff das Wort zu 
seinem einleitenden, allgemeinen Referat. 
Der heutige Abend soll uns, so führte der Redner aus, in die 
Schulverhältniffe unserer Residenz einführen. Da tritt uns denn nun 
zunächst die Frage entgegen, ob wir überhaupt ein Recht haben, die 
Schulverhältnisse unserer Stadt einer eingehenderen Erörterung zu unter 
ziehen. Die Berliner Schulverhältniffe sind bereits wiederholt in Ver 
sammlungen der verschiedensten Art, in der Presse und im Parlament zum 
Gegenstände der Besprechungen gemacht worden; ja es ist sogar vorgekommen, 
daß dieselben in gewissem Sinne Veranlassung zu Aussehen erregenden Pro 
zessen geboten haben. Zur Illustration des gesagten erinnert Redner an die 
Angriffe, welche Redakteur Dietz seiner Zeit auf einer Augustkonferenz gegen 
die Berliner Gemeindeschulen gerichtet hatte, und die den bekannten Prozeß
	        

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