Full text: Evangelisches Monatsblatt für die deutsche Schule - 3.1883 (3)

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Verhandlungen des Berliner Lokalvereins 
bearbeitet, den Pröbsten von St. Nikolai, St. Petri und St. Hedwig, 
den Superintendenten und einer Anzahl Bürger gebildet wird, und die 
ihrerseits wiederum dem Königlichen Provinzial-Schulkollegium untersteht, 
von welcher letzteren Behörde übrigens die in der Stadt befindlichen 
Königlichen Schul - Anstalten in gerader Linie ressortieren. In diesen 
Verhältnissen tritt jedoch dadurch eine Art Verschiebung ein, daß das 
gesamte höhere Schulwesen in allen seinen internen Angelegenheiten vom 
Königlichen Provinzial-Schulkollegium direkt geleitet wird, so daß selbst 
bei den städtischen höheren Lehranstalten der betreffende Stadtschulrat 
nur die Externa, d. h. die äußere Verwaltung zu besorgen hat. Über 
die niederen Schulen der Stadt, also über die sogenannten Gemeinde 
schulen scheint sich das Königliche Provinzial-Schulkollegium z. Z. leider 
jeder Kontrolle begeben zu haben. Die Seele dieser Elementarschulen 
bildet der mit der Leitung derselben betraute jederzeitige Stadtschulrat, 
dem als nächste Organe acht Schulinspektoren unterstellt sind. Die 
letzteren inspizieren und revidieren die Schulen, nehmen die Jahres 
prüfungen ab, bilden die Instanz zwischen Lehrern und Rektoren einer 
seits und der städtischen Schuldeputation anderseits und redigieren, in 
Gemeinschaft mit den Rektoren, die Jahresberichte über die einzelnen 
ihrer Inspektion unterstellten Schulanstalten. 
Der Charakter des gesamten Berliner städtischen Schul 
wesens, des höheren sowohl wie des niederen, ist äs facto 
ein konfessionsloser. Ob dabei die eine oder die andere Schule, 
wenn auch nicht nominell, so doch in Wirklichkeit bereits vollständig 
religionslos ist, hängt von der Persönlichkeit des Leiters der betreffenden 
Anstalt wie von den an derselben wirkenden Religionslehrern ab. Wunder 
bare Dinge kommen unter diesen Umständen namentlich an solchen 
Schulen vor, deren Leiter ausgesprochene Protestantenvereinler sind. 
Da passiert es denn z. B., daß ein Lehrer, wie dies wirklich in den 
letzten Tagen geschehen ist, den Kindern sagt, für uns könne der Herr 
Jesus doch nicht gestorben sein, denn wir hätten ja zu seiner Zeit noch 
gar nicht gelebt. (!!!) Muß sich da aber nicht ein jeder mit Recht fragen: 
was kann doch so ein leichtsinniges Zweifelswort für einen Schaden an 
den jungen Seelen anrichten?! Und wie mag wohl der Religionsunter 
richt beschaffen sein, welchen die Obersekunda eines hiesigen Gymnasiums 
erhält, und über den sich einer der Schüler kürzlich wie folgt äußerte: 
„In unserer Klasse üben wir nur Kritik, und da treiben wir unseren 
Herrn Religionslehrer oft recht hübsch in die Enge." Gewiß sollen die
	        

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