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Ein Stück Gesundheitslehre
(Behandelt in mehreren, für Lehrerkonstrenzen eingerichteten Vorträgen von B. Kaißer, Seminar-
Oberlehrer in Gmünd.
Motto: „Der Mensch vergißt im gewöhnlichen Leben
zu athmen/
JJ, ine auf richtige Prinzipien gegründete Gesundheitspflege ist eine Lebensaufgabe
für die menschliche Gesellschaft. — Diesen Grundsatz kann man in unserer
Zeit oft aussprechen hören. Mit der Lösung dieser Aufgabe beschäftigen sich denn auch
Gesetzgebung wie Wissenschaft gleichviel. Wir wollen nur erinnern an die Ministerial-
verfügung der königl. württemb. Regierung vom 28. Dezember 1870, welche spezielle
Vorschriften für die Einrichtung der Schulhäuser getroffen und für die Gesundheitspflege
in den Schulen feste, leitende Grundsätze nach dem dermaliaen Stande der ärztlichen und
schulmännischen Erfahrungen aufgestellt hat; ferner an das Reichsgesundheitsamt und an
das schon zum öftern aufgetauchte Gerücht, das Reichskanzleramt beabsichtige, das ganze
Reich mit einem Netz von Gesundheitsämtern zu bedecken; an die Energie, mit welcher
die gesetzgebenden Faktoren gegen die gesundheitsschädlichen und betrügerischen Verfälschungen
der Lebensmittel vorgehen; an den im Oktober 1876 zu Brüssel abgehaltenen Kongreß
von Aerzten und andern Fachmännern, der sich ausschließlich mit der Gesundheitspflege
und dem Sanitätswesen beschäftigte; und endlich an die „Parasitenlehre", deren Resultate
es sehr verdienten, daß sie auch der Laie in ihren praktischen Konsequenzen kennen lernte.
Gewiß können wir derartige Bestrebungen der gesetzgebenden Faktoren und die
Forschungen der Wissenschaft zur Bekämpfung eines gemeinsamen Uebels mit Freuden
begrüßen; nimmermehr aber dürfen wir von solchen Akten rettender Staatshilfe und von
allgemeinen sanitätspolizeilichen Vorschriften gründliche Abhilfe erwarten. Die Ur
sachen dieses Uebels liegen viel zu tief, als daß sie mittelst dieser äußerlich wirkenden Mit
tel könnten beseitigt werden. Und da diese Ursachen nicht selten gleichbedeutend sind mit
dem, was der größte aller Aerzte in leiblichen und geistigen Leiden schon vor mehr als
1800 Jähren bei der Heilung des 38sährigen Kranken und bei andern ähnlichen Ver
anlassungen mit den Worten andeutete: „Gehe.hin und sündige nicht mehr," so erfor
dert die Heilung des gegenwärtig so vielfach körperlich kranken Geschlechts bei der Nam
haftmachung der Heilmittel recht sehr die Beherzigung des weitern Umstandes, der sich
bei den Krankenheilungen des Herrn immer in den Vordergrund drängte und von ihm
mit den Worten hervorgehoben wurde: „Deine Sünden sind dir vergeben." Dies Heil
mittel soll das Uebel an der Wurzel fassen und die innerliche Kur, — die Heilung des
verdorbenen Herzens, der krankhaften Phantasie, des verkehrten Willens — wird die
körperlichen Uebel vermindern, bezw. denselben vorbeugen.
Kath. Cchulzeitung, Quartalhest I. 1879.
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