Full text: Quartalheft der Katholischen Schulzeitung - 2.1879 (2)

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Lav visier den Sauerstoff in der Luft und stellten fest, daß sie aus Sauerstoff 
und Stickstoff bestehe und der Sauerstoff es sei, welcher genannte Vorgänge, das Athmen 
und Brennen, unterhalte und nicht die früher angenommenen, aber unbekannten, zufäl 
ligen Beimischungen. Ueber das Menge- und Gewichtsverhältniß, in welchem die beiden 
Gase die atmosphärische Lust bilden sollten, gingen die Ansichten der bedeutendsten Ge 
lehrten weit ans einander. Im allgemeinen war die Ansicht maßgebend, daß die Luft 
bei sog. „gesundem" Wetter, oder in besonders als der Gesundheit zuträglich erkannten 
Gegenden mehr Sauerstoff enthalte, als zur Zeit des sog. „ungesunden" Wetters rc. 
Dem gegenüber sprach der große, im Jahre 1825 verstorbene englische Chemiker Davis 
erstmals den Lehrsatz aus, daß die atmosphärische Lust an allen Orten, welche dem 
freien Zuzug und Abfluß derselben ausgesetzt sind, zu allen Zeiten Sauerstoff und 
Stickstoff in demselben Verhältniß enthalte. Die sorgfältigsten Untersuchungen, an den 
verschiedensten Orten der Erde und zu den verschiedensten Zeiten veranstaltet, haben diese 
Behauptung Davis' bestätigt und gezeigt, daß dieselbe dem Raum nach besteht aus einem 
mechanischen Gemenge von 21 Thl. Sauerstoff imb 79 Thl. Stickstoff und dem Gewicht 
nach ans 28,16°/o Sauerstoff und 76, 84°/o Stickstoff. 
„Und das ist ein Umstand von großer Wichtigkeit", fährt Davis fort, „denn wir 
sehen daraus, daß wenn die Luft der Gesundheit nachtheilig wird, weniger ein geringerer 
Saucrstoffgehalt die Ursache trägt. Sorgfältige Untersuchungen werden uns vielleicht 
diese Ursachen kennen lernen und uns auch die Mittel an die Hand geben, ihre schädlichen 
Wirkungen zu zerstören und uns dagegen zu, schützen." 
Auch dieses prophetische Wort des großen Gelehrten ist zum großen Theile, Dank 
den Bemühungen der Wissenschaft, in Erfüllung gegangen. Wir kennen die der Gesund 
heit schädlichen Beimischungen der atmosphärischen Luft und der Mittel zur Abhilfe wer 
den es täglich mehr. 
Das einzig positiv zuträgliche Jngestum (Athmungsmaterial) ist der Sau er sto ff 
in der durch den Stickstoff verdünnten und von der Atmosphäre uns dargebotenen Form. 
Vom Herzen aus strömt das Blut mit hellrother Farbe durch die Pulsadern und 
kommt durch die Venen oder Blutadern wieder zum Herzen zurück. Auf diesem Kreis 
lauf gibt es die zur Ernährung des Körpers nothwendigen Bestandtheile ab und nimmt 
zu gleicher Zeit die zu seiner eigenen Erneuerung dienenden und die zur Ausstoßung 
bestimmten Bestandtheile auf; dadurch färbt es sich etwas dunkler und ist zur Ernährung 
untauglich. Ehe es nun aber von neuem sammt dem unterwegs zu ihm gestoßenen Nahrungs 
saft den vorbenannten Weg antritt, wird es in die Lunge getrieben und vertheilt sich 
hier in unendlich vielen und kleinen Aederchen und Gefäßen. Aber auch die eingeathmete 
Lust wird daselbst in eben so viel feinen Lustbläschen vertheilt, kommt in Berührung mit 
dem verdorbenen Blute, der Sauerstoff verbindet sich mit demselben und oxydirt dessen 
Kohlenbestandtheile unter Entwicklung der körperlichen Wärme. Das Blut erhält seine 
hellrothe Farbe wieder, kehrt gereinigt und ernährungssähig zum Herzen zurück, um seinen 
wohlthätigen Kreislauf aus's neue zu beginnen. Die Produkte der langsamen Verbren 
nung aber werden mit dem Athem ausgestoßen. Es sind sog. Respirationsprodukte, 
die wir später noch kennen lernen werden. 
So ist es der Sauerstoff der Luft im Gemenge mit dem Stickstoff, der das Leben 
erhält und daher auch Lebenslust genannt wird. 
Aber die Respirationsdiätetik beschränkt sich nicht bloß aus die Feststellung, daß der 
Sauerstoff der Luft im allgemeinen zur Erhaltung des Athmungslebens genüge, sondern 
sie unterscheidet Sauerstoff von verschiedener Güte und schätzt als die Primaqualität die 
„allotropische", erregte oder aktive Form desselben, nämlich das Ozon. 
Um die Natur desselben uns recht zu veranschaulichen, stellen wir dasselbe auf 
künstliche Weise her. Zu diesem Zwecke bringt man in ein etwas weithalsiges Glas 
ein größeres Stück Phosphor und gießt etwas Wasser dazu, doch so, daß der Phosphor 
nur theilweise unter Wasser liegt. Nun verkorkt man das Glas und läßt es so stehen. 
Nach kurzer Zeit bedeckt sich der Phosphor mit Nebeln, die im Dunkeln leuchten und 
sich im Wasser lösen; es findet die langsame Verbrennung des Phosphors statt. Oeff-
	        
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