Full text: Monatsblätter für den katholischen Religionsunterricht an höheren Lehranstalten - 23. 1922 (23)

v 
Vt f** 
i*"* ' \ 
JIlonatsblätterfürbenkatöÖl3eHgions= 
unterriebt an höheren Lehranstalten. 
Heft 1/3 
1922 
23. sahr- 
gang 
Inhalt: Die katholische Caritas im 19. Jahrhundert. (Schluß.) — Quickborn. — Literarische 
Mitteilungen. — Bücherbesprechungen. — Weihnachtskonveniat Kölner Religionslehrer in Neuß. 
— Bericht über die Tätigkeit der Klemens-Haan-Stiftung während des Jahres 1921. — Etwas 
vom Wandervogel. — Ostertagung unseres Vereins. — Pfingsttagung in Münster 1922. — 
Schülerverband Neu-Deutschland. — Exerzitien für Religionslehrer. 
Die katholische Caritas im 19. Jahrhundert. 
Von Prof. Dr. W. Liefe, Paderborn. 
(Schluß.) 
2. Die Fürsorge für Abnorme (d. h. Blinde, Taubstumme, Krüppel, 
Schwachsinnige) mag hier gleich mit angeschlossen werden, obgleich bei einem 
guten Teil dieser Armen heute mehr der Unterricht als pflegerische Behand 
lung in Betracht kommt. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts stand es aller 
dings noch so, daß eine Sonderbehandlung der Abnormen sehr selten war; 
sie wurden meist, falls sie nicht Familienanschluß hatten, in allgemeine Spitäler 
getan, wo sie in trostloser Untätigkeit ihre Tage hinbrachten. Das lag nicht 
so sehr an Lieblosigkeit, sondern an pädagogischem Ungeschick, z. T. auch an 
falschen Anschauungen über die Natur des betreffenden Leidens. Besonders 
die Schwachsinnigen haben cs lange recht schlimm gehabt; man vermutet nicht 
mit Unrecht, daß sie gerade viele Opfer zur Zeit des unglückseligen Hexen 
wahnes haben stellen müssen. Für die Blinden und Taubstummen begann 
eine bessere Zeit schon um 1780, als in Paris durch Valentin Hauy die erste 
Unterrichtsanstalt für Blinde und durch den edlen Abbe de LEpee eine gleiche 
für Taubstumme eröffnet wurde, die dann bald weithin Schule machten. Für 
letztere hatte kurz vorher auch der protestantische Lehrer S. Heinicke eine An 
stalt in Leipzig eröffnet, die aber wegen des abstoßenden Wesens des Gründers 
lange Zeit wenig Beachtung fand. An die Namen Epee und Heinicke knüpften 
sich fast 100 Jahre lange harte Kämpfe, die noch heute nicht ganz erloschen 
sind: der eine bevorzugte nämlich Schrift und Gebärdensprache beim Unter 
richt, der andere die Weckung der Lautsprache (Artikulieren); man sprach 
danach ziemlich ungenau von einer deutschen und französischen Methode, ob 
wohl mehrere bedeutende deutsche Anstalten wie die meisten der Welt lange 
Epee mehr oder weniger folgten; erst in den letzten Jahrzehnten hat überall 
(auch in Frankreich) ein Umschwung stattgefunden, der aber neuerdings wieder 
teilweise bekämpft wird. Die Blinden- und Taubstummenanstalten sind in 
Norddeutschland meistens Staats- bezw. Provinzialanstalten (in Rheinland- 
Westfalen sind mehrere katholische unter Leitung von Schwestern), im Süden 
sind noch mehrere bedeutende Privatanstalten. In Preußen und verschiedenen 
Kleinstaaten besteht bereits Schulpflicht, nur nicht für die (glücklicherweise wenig 
zahlreichen) Taubstummblinden, für die es einige Sonderanstalten der Innern 
Mission gibt. Unter diesen Unglücklichen ist besonders die Amerikanerin Helen 
Keller wegen ihrer trefflichen Ausbildung bekannt geworden. — Für die 
Schwachsinnigen und Krüppel begann man fast gleichzeitig um 1820—30 Aus- 
Monatsbl. f. den rath. Religionsunterricht. XXIII, I. 1
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.