Full text: Monatsblätter für den katholischen Religionsunterricht an höheren Lehranstalten - 23. 1922 (23)

2 Monatsblätter für den kath. Religionsunterricht an höheren Lehranstalten. Jan.—März 1922 
bildungsanstalten zu errichten. Die Krüppel können heute durch orthopädische 
Eingriffe zum großen Teil geheilt oder doch erwerbsfähig gemacht werden; 
lvährend bei andern eine geeignete Anleitung zum Ziel der Arbeitsfähigkeit 
führt. Eine Staatsanstalt gibt es für sie nur in München; die katholische 
Caritas sorgt für sie besonders durch die Josefsgesellschaft in Bigge a. Ruhr, 
die mehrere Kliniken, Schulen und Werkstättenhäuser im Westen ihnen errichtet 
hat. — Die Schwachsinnigen zerfallen in mehrere Gruppen: die leichtesten 
Grade — bei den sog. Schwachbegabten — finden seit etwa einem halben Jahr 
hundert unterrichtliche Förderung in gemeindlichen Hilfsschulen oder Hilfs 
klassen (kleine Klassen mit weitgehendem Anschauungsunterricht und genauer 
Sonderbeobachtung der einzelnen Schüler); die schwereren Fälle bedürfen dauern 
der oder doch langwährender Anstaltsbehandlung, die besonders von dem 
schweizerischen Arzt Dr. Guggenbühl in den 40er Jahren lebhaft angeregt 
wurde. Auch die katholische Caritas hat eine größere Zahl von Unterrichts 
anstalten für Bildungsfähige und von Beschäftigungs- und Pflegeanstalten für 
Blöde errichtet. Cs muß bemerkt werden, daß gerade auch bei der schwierigen 
Fürsorge für Abnorme die Caritas wegleitend gewesen ist und noch heute 
zum sehr großen Teil die Kräfte stellt. Es handelt sich dabei um gewaltige 
Zahlen, die allerdings besonders bei Krüppeln und Schwachsinnigen stark aus 
einandergehen wegen der zahlreichen Uebergänge, die diese beiden zu mehr oder 
weniger Gesunden aufweisen; so soll die Zahl der Schwachsinnigen in Deutsch 
land bis zu 500000 ansteigen (größtenteils schwachbegabt), die der Krüppel 
bis zu 350000 oder ebenfalls 5Ö0000. Demgegenüber zählt man an 50000 
Taubstumme und 35000 Blinde. Wer nähere Belehrung wünscht, findet eine 
geradezu unübersehbare Literatur vor; es mögen die Handbücher von A. Mell 
(Blindenwesen), Karth (Taubstummenbildungswesen), Bösbauer (Schwach- 
sinnigenfürsorge) und Biesalski (Leitfaden der Krüppelpflege) genannt werden. 
IV. Fürsorge für Kinder und Jugendliche. 
Die Arbeit der Caritas auf diesem Gebiete ist im letzten Jahrhundert 
recht umfassend geworden. Während früher fast nur die Findlinge und Waisen 
in Betracht kamen, muß jetzt infolge der Lockerung vieler Familienverhältnisse 
und der Jnduftrieentwicklung die Caritas auch manche Kinder, deren Eltern 
noch leben, lange Jahre in Obhut nehmen. Zunächst handelt es sich um jene, 
die kurze oder längere Zeit des Tages ohne Aufsicht sind. Für die Kleinsten, 
die noch sorgfältiger Milchernährung bedürfen, wurden die Krippen geschaffen, 
zuerst 1844 durch F. Marbeau in Paris, bald in manchen Industrie- und 
Großstädten; sie nehmen die Säuglinge auf, deren Mütter durch Erwerbs 
arbeit an der dauernden Pflege behindert werden. Sie müssen wegen der 
Wichtigkeit der mütterlichen Fürsorge gerade in den ersten Jahren unbedingt 
auf eigentliche Notfälle beschränkt bleiben. Leichter kann man schon die Be 
wahr- (Kleinkinder-, Spiel-)schulen für Kinder von 3—6 Jahren gestalten, die 
zu Anfang des Jahrhunderts besonders in England und Frankreich verbreitet 
waren, in Deutschland aber, von Ausnahmen abgesehen (Detmold 1802) erst 
nach 1820 in Aufnahme kamen. Sie wollen den Kindern für einige Tages 
stunden Unterhaltung bei Spiel, Gesang und leichter Beschäftigung bieten, 
teilweise auch unter Verabreichung von einfachem Mittagbrot. In den letzten 
Jahrzehnten sind solche Anstalten fast regelmäßig mit den Schwesternhäusern 
für ambulante Krankenpflege (in Süddeutschland mit solchen für Schulunter 
richt) verbunden worden. Insgesamt zählen wir an katholischen Bewahrschulen 
(einschließlich der Kindergärten mit Fröbelarbeit) in Deutschland allein gegen
	        

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