Objekt: Berlin und seine nächsten Umgebungen in malerischen Originalansichten

 
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Feſtung bewahrt viele hundert Gefangene verſchiedener Gattung, von 
der höchſten Klaſſe der Staatsgefangenen abwärts bis zum Baugefange- 
nen in ſchwerem Eiſen. Schon in Friedrichs des Großen, ja in ſeines 
Vaters Munde, war das Wort „Nac< Spandau“ ein Donnerſchlag 
für den den es traf, und no< heut zeigt man unter anderm in der 
Feſtung das ſchauerliche, jedem Tageslicht verſchloſſene Gewölbe, wo der 
Kammerdiener Friedrichs des Großen, der ihn auf öſterreichiſche Ver- 
anlaſſung zu vergiften unternommen hatte, doch die That, ihm zu Füßen 
ftürzend , reuig bekannte, drei und zwanzig Jahre geſc<hmachtet hat! = 
Nach Spandau wanderte das ganze Kammergerichtsperſonal, welches 
ſich weigerte den Prozeß gegen den Müller Arnold, der Friedrich dem 
Großen zwar verdienten, aber doch ungerechten Ruhm erworben, zu 
reformiren ! 
Nac< Spandau! alſo iſt eine Loſung der Freude, und eine des 
Screens! 
Daß übrigens die Feſtung ſeit fünf Jahren, durch die Erbauung 
der Berlin - Hamburger - Eiſenbahn mittelſt dieſer zu eine Art Vorſtadt 
Berlins geworden iſt, die man, obwohl zwei Meilen entfernt in einer 
Viertelftunde erreicht, glauben wir noch ſchließlich anführen zu müſſen, 
als leßtes Siegel des allgemeinen Fortſchrittes, der ſich auch dieſem 
Fle><en der Erde aufgedrüt hat. -- 
Die St. Jakobikirche in Spandau. 
Dieſelbe führt auch den Namen der Pfarrkirche, oder Marktkir<e. 
Sie iſt ein anſehnliches Gebäude, und der Thurm derſelben (auf deſſen 
SchiFſal wir ſpäter kommen werden) ſo hoch, daß er weit in der Ge- 
gend fichtbar iſt, und man auf der weiten Fläche weſtlich von Berlin, 
Spandau faſt überall mit ſeinem Thurm am Horizont erblit. =- Das 
Alter der Kirche ift nicht genau anzugeben. Einige nehmen, von einem 
früher in der Mauer der Kirche befindlichen Stein, der die Jahreszahl 
1210 trug, dieſes Jahr als das der Erbauung an. Jedenfalls ift das 
Ende des 12. oder der Anfang des 13. Jahrhunderts der Anfang ihrer 
Entſtehung. Mithin ift die Kirche ſo alt, oder älter als die älteſten 
Berlins. Sie ift im gothiſchen Stil erbaut, und ruht auf zwölf ſtarken 
Pfeilern, die durch Fenſter mit Spißbogen getrennt werden. Im Jahre 
1467 wurde ein neuer Thurm auf die Kirche geſebt, den ein Baumeiſter 
aus Magdeburg Rathſtach oder Rothſto>, ausführte. Derſelbe 
ſoll von außerordentlicher Höhe, ja der höchſte in der ganzen Mark 
Brandenburg geweſen ſein. Dies wäre inzwiſchen auch nicht ſehr viel 
geſagt, da die Mark außerordentlich hohe Thürme wenigſtens gegen- 
wärtig nicht hat. Allein die Ueberlieferungen welche uns über einige 
ſpätere Meſſungen gemacht ſind, würden einen in der That außerordent- 
lich großen Maaßſtab für die Höhe des Thurms annehmen laſſen müſſen. 
Im Jahr 1537 nämlich ſchlug der Bliß ein, und dadurch brannte die 
Spiße herab, welche 1540 wieder neu errichtet wurde. Damals ver- 
anſtaltete man eine Meſſung, die Folgendes ergab. Die Helmftange, 
worauf der Knopf ſtand , war 19 Fuß lang, von der Stange bis auf 
das Mauerwerk (der Thurm ſcheint alſo von Holz geweſen) 44 Klaf- 
ter, von dort bis zur Erde gleichfalls 44 Klafter. Dies ergäbe 88 | 
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