Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 14.1870 (14)

ISO 
Deutsche Schulzeitnng. 
sprechMg der Schulfrage in einem solchen Kreise die Lösung derselben um einen bedeu 
tenden Schritt gefördert zu sehen. Und diese Hoffnung theilte der größte Theil der in 
Wesel sich eingefnndenen c. 30 Lehrer. Es kam anders. Die Grundgedanken des 
Referenten (s. Schulbl. Nr. 11 u. 12 1869), die dem Vernehmen nach auf Veran 
lassung eines Vorstandsmitgliedes der Conferenz gedruckt worden waren, wurden am 
Vorabende im Saale des Vereinshauses unter die Anwesenden vertheilt/ jedenfalls in 
der Absicht, zu einer frischen und lebendigen Besprechung den Boden zu präpariren. 
Obschon Referent mit mehreren Collegen bald nach der Verkeilung aus verschiedenen 
Bemerkungen etlicher Geistlichen schließen mußte, daß den letzteren noch lange nicht alles 
in den Thesen zusage, so mochte er doch daraus noch kein ungünstiges Prognostikon für 
die betreffenden Verhandlungen des folgenden Tages stellen. Nachdem an diesem Tage 
zunächst zwei lange theologische Vorträge verlesen worden waren, kam nach der Pause 
(nach 1 Uhr) die Schulfrage an die Reihe. Doch nicht der annoncirte Referent trat 
auf, sondern der als zweiter Referent bezeichnete Pastor Toorenmberger aus Rotterdam. 
Wir hörten, Pastor Toorenmberger müsse um 3 Uhr abreisen, deshalb der Wechsel; 
da wir aber den genannten Herrn noch um 5 Uhr beim Mittagstisch glauben gesehen 
zu haben, so könnte man, wmn man mißtrauisch sein wollte, das Zurückschieben des 
Schulmannes in einem andern Grunde suchen.*) Der verlesene Vortrag des Pastors 
T. verbreitete sich über die Stellung der Schule Hollands zu Staat und Kirche; er 
brachte so dam Vorschläge zu einer bessern und naturgemäßem Stellung der Schule zu 
jenen Institutionen und faßte diese Vorschläge schließlich in zwölf Thesm zusammen. 
Wir gestehen geme, daß uns Manches in diesem Vortrage wohl gefiel, ja daß wir 
überrascht waren, in den angegebenm Ursachen zu jenem unnatürlichen Verhältniffe, für 
welche er keineswegs die antikirchliche Partei allein veranttvortlich machte, wie auch in 
seinen Vorschlägen zur Lösung der holländischm Schulfrage manchen Gedanken Dörp- 
felds zu begegnen, die dieser zur Verhüttmg solcher Zustände bei Ms ausgesprochen (s. 
Gmndgebrechen). Der Vortrag nahm indeß wieder viel Zeit in Anspruch und um so 
weniger blieb natürlich Hm. Dörpfeld, der deshalb nur sehr unvollständig zu Worte 
kam. Er begnügte sich unter Hinweisung auf die gedruckten Gmndgedanken seines Vor 
trags mtt einigen eiligen freien Bemerkungen, namentlich hinsichtlich der Gefahren 
der jetzigen Schulverfassung für die Kirche (These 1—4) Md behufs der ErmittelMg 
des rechten Verhältnisses der Schule zu den andern Factoren (These 5 Md 6). Wir 
müssen zugeben, daß jene wenigm Bemerkungen nicht hinreichend waren, denm die Sache 
verständlich und klar zu machen, die noch sehr wenig Licht in derselben hatten; um so 
mehr war zu erwarten, daß auf b e st i m m t e Interpellationen aus der VersammlMg der 
Referent zu weiterer Erörtemng veranlaßt werden würde. 
Eine Besprechung sollte auch stattfinden, aber des wartenden Mittagsessens wegen 
am Abende, obgleich der Referent erllärte, daß er dann seiner nicht aufzuschiebenden 
Abreise wegen nicht mehr anwesend sein köMe. NM nahm aber der Vorsitzende noch 
das Wort, um, „da er am Abende nicht mehr Mwesend sein köMe," doch seine Mei 
nung über die Schulfrage Md über Dörpfeld's Anschauungen kurz mitzutheilen. Er 
machte NM eine Reihe von Bemerkungen, welche durchaus die Sache nicht trafen und 
größtentheils auf Mißverständnissen bemhten, so z. B. in Betteff der socialen Stellung 
*) Wir glauben diesen Nebenumstand auch deshalb erwähnen zu sollen, weil hinterher (im 
Privatgespräch) ein Geistlicher dem Hrn. Dörpfeld glaubte einen Vorwurf daraus machen zu 
können, daß derselbe seinen Vortrag frei gehalten hatte, während die übrigen Referenten alle 
eine wohlausgearbeitete Abhandlung gelesen hätten. Sonderbar; jenen Referenten waren jedes 
Mal 1—2 Stunden gegönnt worden; Hrn. D. blieb kaum eine halbe Stunde übrig. Und 
nun soll ihm noch ein Vorwurf daraus gemacht werden, daß er keine lange Abhandlung 
vorlas!
	        

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