Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 14.1870 (14)

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Deutsche Schulzeitung. 
MMche Anregung zu fleißigem Forschen gegeben, blieb er durch steten Gedankenaustausch 
in Verbindung. Seine liebste Lectüre blieb auch hier die Bibel selbst. Nebenbei las 
er Jung-Stillings, Lavaters, Bengels und Menkens Schriften. Glaubte er darin Wider 
sprüche mit der heil. Schrift zu entdecken, so machte er solche Stellen zum Gegenstand 
seines ernstesten Nachdenkens, oder brachte sie unter seinm Freunden zur Sprache. Auf 
diese Weise bereicherte und klärte sich seine Erkenntniß mehr und mehr. — Obschon er 
sich in dieser Zeit zur größten Zufriedenheit seines Prinzipals als Kaufmann ausblldete, 
konnte er doch eine gewisse Abneigung gegen diesen Stand nicht unterdrücken. Er hielt 
an seiner ersten Neigung fest, und konnte endlich mit Zustimmung seiner Eltern, die von 
ihm hochgehaltene Ackerwirthschaft bei mehreren tüchtigen Oekonomen gründlich erlernen. 
Der Tod seines Vaters nöthigte ihn, seine Mutter für kurze Zeit in der Gast 
wirthschaft zu unterstützm. Mutter und Geschwister hätten ihm dm Gasthof gern über 
tragen; er zog es jedoch vor, eine wenig einträgliche Stelle als Grubmverwalter zu 
übernehmen, bis sich eine Gelegenheit darböte, ein größeres Landgut zu erstehen. Im 
Stillen hatte er längst ein inniges Verhältniß mit seiner Nichte angeknüpft, die mit ihm 
im elterlichen Hause aufgewachsen nnd erzogm war. Er heirathete dieselbe und sah sich 
nun bald seiner Famllie wegen gmöthigt, wieder ganz in die kaufmännische Laufbahn 
einzulenken. Er gründete ein Engros-Geschäft in Frucht, Mehl und andern Victualim, 
welches sich später in Verbindung mit seinem Schwager zu einem bedeutmdm rmtabeln 
Geschäfte erweiterte. 
Man sieht aus dieser kurzen Mittheilung über dm äußern Lebensgang unsres Frmn- 
des, wie der Mensch denkt, aber Gott lenkt, wie wenig er seinem Lebmslauf Bahn Md 
Richtung geben kMN. — 
Das äußere Leben unsres FreMdes hat mit dem letztgenannten Ereigniß einen 
Ruhepunkt erreicht und bewegt sich fortan in den durch dasselbe vorgezeichneten Bahnen. 
Seine Thätigkeit jedoch im bestm Mannesalter, die er als Kaufmann mtwickelte, brachte 
ihn mit dem LehrerstMde in immer nähere Berührung, sie hat ihm den Namm eines 
Lehrerfteundes im vollsten Same des Wortes erworben. Forscht man nach der Ursache, 
weßhalb B. sich dem Lehrerstande iMerlich so verwandt fühlte, so finden wir dieselbe 
zunächst in seiner kindlichm GesinMng Md großen Liebe zu dm Kleinen. 5 Kinder hatte 
ihm der liebe Gott geschenkt, welche ihm mit seltener Liebe anhingen. Es war aber 
auch eine Lust, dm wackem Mann im Schoße seiner Familie zu sehm. Wie umringte 
ihn die kleine Schaar, wie lauschte sie füll auf seine Worte, wie fürchtetm sich die 
Kleinen, des Vaters Mißfallm zu erwecken, wie bemühten sie sich, ihm Frmde zu ma 
chen! Er sagte mir einst, daß ihm der Helland ganz besonders liebmswürdig erschime 
in seinem Verhältniß zu dm Kindern. Er habe die Kleinen so hoch geachtet, daß er 
sie seinen Jüngern als Symbol der Demuth vorstelle, sie als die Pflegebefohlmm der 
Engel bezeichne und ihnen das Himmelreich zuspreche. Die Kinder müßtm demnach eine 
vorzügliche Qualification für das Reich Gottes in sich schließm. Man solle deßhalb 
keines dieser Kleinen gering schätzm. Er legte dem Erziehungsgeschäft der Eltern Md 
Lehrer eine unberechenbare Tragwelle für die Ewigkellen bei. Er betonte die Nothwen- 
digkeit eines gemeinsamen Wirkens von Haus und Schule, eines gemeinsamen Strebens 
nach demselben Ziele. Hieraus erklärt sich, daß so viele Lehrer in ihm einen warmen 
Fremd fanden, einen Freund, der es offen aussprach, daß nur der christlich gesinnte 
Lehrer an dem schwierigen Werke der Jugenderziehung segmsreich arbeitm könne, der es 
aber auch wußte, daß eine christliche GesinnMg fort und fort der Pflege bedarf. Darum 
begrüßte er mit Freuden die Gründung einer Lehrer-Bibelconfermz in Vohwinkel. Er 
überzeugte sich auch bald, daß er sich nicht geirrt habe, wenn er behauptete, daßßmög- 
lichst vorurtheilsfteie Bibelbesprechungen ein vorzügliches Mittel seien, alle Kräfte des 
menschlichm Geistes gleichmäßig nach apostolischem Rath durch gliedliche Handreichung
	        

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