Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 14.1870 (14)

Ein Lehrerfreund. 
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auszubilden. Darum wurde er bald ein eifriges Mitglied dieser Conferenz und suchte 
den Segen solcher Gemeinschaften weiter zu verbreiten. Mit Hülfe einiger gleichgesinnter 
Lehrer gelang es ihm auch, eine Lehrer-Bibelconferenz in Mülheim a/d. Ruhr und später 
auch in Esten zu gründen. Seine Fragen und Bemerkungen warm meist darauf be 
rechnet, den Gesichtskreis über das Geheimniß Gottes des Vaters und Christi zu er- 
weitern; sie gaben Zeugniß von seiner Bescheidmheit, seinem klaren Denken und dem 
großen Reichthum einer gewissen Erkenntniß. Die seltenen Vorzüge, welche diesen Mann 
schmückten, übten eine solche Anziehung auf seine vielen Freunde aus, daß sich besonders 
in den Ferien nicht seltm eine große Zahl Lehrer in seinem Hause zusammm fand. 
Alles, was Liebe und Gastfreundschaft zu bieten vermag, fand sich hier in reichem Maße, 
wobei ihm seine trme Gattin unermüdlich zur Seite stand. Da er sich in gleicher Hin 
gebung als Lehrerfteund dem ev. Lehrerverein für Rheinland und Westphalen anschloß, 
so wählte ihn dieser bald zu seinem Rendanten. Auch in dieser Stellung gab er dem 
Lehrerstande Beweise seiner aufopfernden Liebesthäügkeit. Freilich war dieselbe nur we 
nigen Eingeweihten offenbar; denn der sel. Freund handelte nach dem Grundsatz: „Laß 
die Linke nicht wissen, was die Rechte thut." Weit waren die Grenzen seiner Wohl 
thätigkeit, wie sein für alle gute Bestrebungen weit geöffnetes Herz. Thatkräftig suchte 
er sie zu fördern, wo und wie er konnte. Der Jünglingsverein in Esten fand an ihm 
eine feste Stütze, die Mstsion und Bibelverbreitung einen guten Freund. Doch war 
er bei all seiner christlichen Thätigkeit sehr nüchtern und bei seinem fteimüthigen und 
entschiedenen Bekenntniß ohne alle Frömmelei und Scheinwesen. Seine große Umsicht 
und Tüchügkeit auch in praktischm Dingen machte es ihm mcht schwer, in städtischen, 
kirchlichen und Schul-Angelegenheitm manches Gute zu fördern, zumal seine Stellung 
in diesen verschiedenen Corporaüonm als Mitglied eine einflußreiche war. Diesen guten 
Einfluß werden namentlich auch die Lehrer Estms seiner Zeit erfahren haben. 
Aus diesem thätigen, segensreichen Wirken wurde unser lieber Freund unerwartet 
und schnell weggerafft. Die Nachricht von seinem Tode versetzte daher nicht allein seine 
treffliche FamUie und die Lehrer nah und fern, sondern auch seine Vaterstadt in Trauer 
und Theilnahme. Ein unabsehbarer Leichenzug folgte ihm zur Ruhestätte. Wohl 50 
Lehrer gaben ihrer Liebe und Theilnahme durch Abschieds- und Trostgesänge Ausdruck. 
Mit ehrenden, herzlichen Worten gedachte der Herr Pfarrer W. des Verstorbenen, der 
es verstanden, sich durch seine ungeheuchelte, ernste Frömmigkeit die Achtung und Liebe 
seiner Mitbürger zu erwerben, der den Beweis geliefert, daß auch ein Kaufmann ein 
wahrer Md ganzer Christ sein und bleiben köMe. — 
Nach der Beerdigung versammeltm sich etwa 30 Lehrer zu einer Conferenz. Der 
Schmerz über den großen Verlust beschränkte die Unterhaltung wesentlich auf das Leben 
und Wirken des theuren Dahingeschiedenen. Aus den vielen Zügen, die hier zu weh 
müthiger Freude das Bild des Verstorbenen auffrischten, will ich mit einem schönen 
Zeugniß über den trefflichen Mann schließen, das ihm ein treuer Freund gab. „B. war 
ein Mensch seltener Art, und was ihn als Mensch so besonders werth und selten machte, 
war sein Ringen und Forschen nach höherem, geistlichem Gut. Nie zufrieden mit halbem 
Wissen oder mit herkömmlichen Anschauungen auf confessionellem, politischem und socialem 
Gebiete, scheute er keine Anstrengung und kein Opfer, um den Wegen der ewigen Weis 
heit nachzuspüren. Er war ein Mensch der Sehnsucht! Liebe hat er in reichem Maße 
ausgesäet, Liebe hat er reichlich geerndtet. Sein Andenken bleibet in Segen!" — 
E. H.
	        

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