Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 14.1870 (14)

»io Deutsche Schulzeitung. 
zubringen, in welchen die Lehrer sehr ungünstig stehen z. B. aus den Städten des 
östlichen Preußens. 
Das Resultat war, daß sich die Lehrer in Hannover noch zu den bester gestellten 
rechnen dürften, und die Folgerung lag für die Gegner der Lehrer nahe, Hannover 
brauche noch nicht zu bessern. Nebenbei will ich noch bemerken, daß mir bei der Ver 
gleichung, die zu diesem erwünschten Resultate führte, ein wesentliches Moment übersehen 
zu sein scheint, das nämlich, daß in den altpreußischen Städten, wenn ich recht berichtet 
bin, neben dem eigentlichen Gehalte Miethsentschädigung gewährt zu werden pflegt, was 
in Hannover nicht der Fall ist. — Die Bürgervorsteher zogen übrigens obige Folge 
rung nicht; sie hielten daran fest, daß gebessert werden müsse. 
Es handelte sich nun also um das Wieweit. Plötzlich trat der Herr Stadtdirec- 
tor mit einem äußerst detaillirten Plane hervor, der nicht bloß die financielle Besser 
stellung der Lehrer zu erstreben vorgab, sondern auch organisatorisch umgestaltend in 
das Volksschulwesen eingreifen wollte. Allgemeines Erstaunen, sowohl über die Geschwin 
digkeit, mit der der Herr Stadtdirector jetzt vorging, als auch über die weitgreifenden 
Pläne desselben. Die Lehrer hatten natürlich nichts Eiligeres zu thun, als das Schrift 
stück einer gründlichen Prüfung zu unterwerfen, Das Resultat war: Scheinbar 
war eine Aufbesserung der Gehalte erstrebt, in Wirklichkeit eine Verschlechterung! 
Die Stadckasse sparte ein Erkleckliches! Man denke sich das Staunen und die 
Erbitterung der Lehrer. Alle Befürchtungen waren übertroffen. Dazu gab der Plan 
noch ein sehr schlimmes Geschenk mit in den Kauf: eine Aenderung des Princips der 
Gehaltsregulirung. Bis dahin rückten die Hannoverschen Lehrer nach dem Dienstalter 
in höhere Gehaltsstufen ein; künftighin sollten die Einzelnen warten, bis es der 
Behörde gefalle, sie in eine höhere Klasse zu befördern. Noch mehr als die allgemeine 
Nichtaufbesterung regte diese Heraufbeschwörung eines Princips auf, das seit zehn Jahren in 
Hannover beseitigt war und dessen Wiedereinführung der Demoralisation der Lehrer 
Thür und Thor öffnen mußte. Es durfte nichts unversucht gelassen werden, des Herrn 
Stadtdirectors Plan scheitern zu machen. Man reichte einzelnen Bürgervorstehern ener 
gische Kritiken, Gutachten, Nachweste rc. ein und hatte denn auch die Freude, daß der 
Herr Stadtdirector mit seinem Plane vollständig durchfiel. 
Die Bürgervorsteher machten nun ihrerseits Vorschläge. Einer von ihnen trat zum 
Entsetzen mancher Herren mit dem reellen Vorschlage auf, die Lehrer mit 300 Thlr. an 
stellen, und sie dann von 5 zu 5 Jahren mit jedesmal 100 Thlr. Zulage bis 7OO 
Thlr. steigen zu lassen. Ein zweiter Vorschlag beantragte 280 Thlr. Anfangsgehalt 
und alle 5 Jahr 80 Thlr. Zulage bis 700 Thlr. Ein dritter Vorschlag hielt es 
für genügend, jedem Lehrer 20 Thlr. Zulage zu gewähren, mit Ausnahme der auf 
der obersten Gehaltsstufe stehenden, die 100 Thlr. mehr bekommen sollten. Ein vierter 
endlich wünschte folgende Posten: 300 Thlr., 360 Thlr., 420 Thlr., 500 Thlr., 600 
Thlr., 700 Thlr. Der Ausschuß vermochte nicht schlüssig zu werden. Das Jahr 69 
ging zu Ende und mit ihm die Wirksamkeit der meisten Bürgervorsteher, die Ausschuß - 
Mitglieder waren. Bei den Neuwahlen herrschten durchaus politische Rücksichten. „Hie 
nationalliberal hie hannoversch" ! lauteten die Stichwörter. Die hannoversche Partei 
oder Volkspartei siegte in allen Wahlen. Den Lehrern war es im allgemeinen leid, 
daß die alten Bürgervorsteher wegen ihrer nationalliberalen Richtung unterlagen; denn 
dieselben hatten sich als entschiedene Freunde der Lehrer gezeigt. Mit Besorgniß sah 
man den Kundgebungen der neuen Persönlichkeiten entgegen. Die Wahl in die Schul 
commission fiel auf zwei Männer der Volkspartei und auf den aus Preußenhaß mit 
der Volkspartei coaliirten frühern Referenten fürs Volksschulwesen im hannoverschen Cul 
tusministerium, Brüel, den Lehrern vielleicht durch eine Broschüre über die Volksschule 
der Provinz Hannover und durch sein Auftreten in der hannoverschen Synode bekannt.
	        

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