Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 14.1870 (14)

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IV. Abtheilung. 
kann, ohne mit seinem Gewissen in Zwiespalt zu gerathen. Es mag hart klingen. Doch 
weiß ich eS nicht besser. Allerdings haben die amtlichen Anforderungen, welche an den 
Schulinspektor und Pfarrer, und gar an den Kreisschulinspektor und Superintendenten 
gestellt werden, hier in steigendem Verhältnisse eine fast unerträgliche Wucht erreicht, aber 
Das kann nicht hindern, so lange man in dem Amte steht, seine Ehre darin zu suchen, 
daß man die Pflichten desselben mit Treue zu erfüllen bestrebt bleibt. Ist Jemandem 
seine Stellung der Schulbehörde gegenüber eine unerquickliche, so prüfe er sich auch selbst 
mit aller Demuth, wie viel Schuld er daran selbst trägt. 
Jedenfalls hat der Herr Verfasser nach meiner Ueberzeugung nicht den richtigen 
Weg eingeschlagen, seine Bedenken gegen neuere Erlasse der Schulbehörde laut werden 
zu lassen und nicht den ruhigen, jede Schärfe ausschließenden Ton getroffen, in welchem 
seine Klagen, wenn sie begründet sind, eindringlicher geworden wären. Unserem ostpreu 
ßischen Schulwesen hat er auch keinen Dienst gethan, indem er nur Solches, was die 
ses und die es beaufsichtigende und leitende Behörde grundlos verdächtigt, in die Ferne 
hinausgerufen hat. 
Es ist nicht so übel bestellt in Ostpreußen, als es nach dem Verfasser scheinen 
könnte. Wenn, wie er erwähnt, unter den Militairpflichtigen ein nicht geringer Procent 
satz als mangelhaft in der Bildung bezeichnet werden muß, so darf nicht vergessen wer 
den, daß zwischen dem Austritte aus der Schule und dem Eintritte ins stehende Heer 
wenigstens sechs Jahre liegen, in denen Viele leider Vieles vergessen. Fortbildungs- 
schulen fehlen. Diese haben in dem Volksbewußssein noch nicht Wurzel faßen können, 
wo man ihre Einrichtung versucht hat. Auch fehlt es an Mitteln dazu. Sodann dür 
fen bei Beurtheilung jenes Procerttsatzes folgende Umstände nicht außer Acht gelassen 
werden: Zunächst wird er über die Ersatzmannschaften der ganzen Provinz Preußen 
und nicht blos ihres östlichen Theiles ermittelt und der anerkannt wett überwiegmde 
Theil davon fällt auf Westpreußen, wo die Evangelischen zum Thett nur in der Zer 
streuung unter den Römisch-Katholischen leben, das katholische Schulwesen aber nur sehr 
mangelhafte Leistungen auflveist. Würden in gleicher Menge evangelische Schulen vor 
handen sein, so würde er sich sehr bedeutend vermindern. Ferner darf nicht vergessen 
werden, daß der noch vorhandene Sprachenunterschied, da neben dem Deutschen auch Pol 
nisch und Littauisch geredet wird, den Leistungen der Schule in manchen Gegenden we 
sentlichen Eintrag thut und so auch auf jme Erscheinung nicht unbedeutenden Einfluß 
ausübt. 
Schließlich ergreife ich die Gelegenhett, den mit mtt verbundenen zwölf Schulin 
spektoren und zweiundachtzig Lehrern öffentlich zu bezeugen, daß sie es durch ihre Wirk 
samkeit für die Schule mir leicht gemacht haben, meine dem Verfasser widersprechenden, 
auf andern Erfahrungen beruhende Aeußerungen zu thun. 
vr. Gebauer. 
Bakante Stellen. 
Lehrerstelle an der höh. Bürgersch. in Düren 
auf 1 Oct. Gehalt 500 Thlr. Pro sac. doc. 
geprüfte Bewerber für Deutsch und Latein.wollen 
sich an Rector Benrath in Düren wenden. 
Lehrerstelle an der höh. Töchterschule zu 
Memel auf 1. Ott. Gehalt 600 Thlr. Fae. 
doc. für neuere Sprachen erforderlich. Meld. 
u. Zeugn, an den Magistrat in Memel. 
Lehrerstelle an der höh. Töchterschule zu 
Gera auf Michaelis. Gehalt 500—700 Thlr. 
steigend. Fac. doc. für neuere Sprachen erfor 
derlich. Meld. u. Zeugn. a. d. Schulvorst, das
	        

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