Beilage zum Evangelischen Schulblatt.
Deutsche Schutzeitung.
Anfang Dezember 1870.
Vom Büchertisch.
Elsaß und Lothringen und ihre Wiedergewinnung für Deutschland v. Prof. De.
Adolf Wagner. Leipzig, Duncker Elsässische Lebensbilder aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Bevorwortet v.
E. Stähelin, Oe. tlieol. Basel, Felix Schneider 1869. Preis 26 Sgr.
Zwei Punkte sind es, auf die sich unser Augenmerk für jetzt und die nächste Zu
kunft besonders richtet: auf die Wiederherstellung des Einen deutschen Reiches und die
Wiedererwerbung des im Osten verlornen deutschen Gutes, auf die Wiedergewinnung
von Deutsch-Elsaß und - Lothringen. Gewiß wiegt der erste für unser nationales Leben,
sowohl nach seiner politischen, als socialen und wirthschaftlichen Seite, am schwersten;
doch nach den großen Erfolgen des Jahres 66 erscheint uns die Lösung der deutschen
Frage nur noch als eine Frage der Zeit. Ungleich lebhafter begleitet unser Interesse
den zweiten Punkt. Wer hätte noch vor einem halben Jahre daran gedacht, daß der
an dem zerrissenen deutschen Leibe geübte Raub so bald sollte gestraft werden, daß die erste
nationale Erhebung zur Niederwerfung des Volkes führen werde, das mit allen Mitteln
deutsche Zerrissenheit gepflegt und für seine Gelüste ausgebeutet hat, daß durch sie die
Glieder wieder gewonnen werden würden, die wir nach menschlicher Berechnung fast
unwiederbringlich verloren glaubten? Und doch, wie wenig Hoffnung auf Wiedererwerbung
von Elsaß - Lothringen wir auch hatten, jedes deutsche Gemüth wurde von Zorn und
Schmerz bewegt, wenn es dieser Lande gedachte. —
Sowohl das Wort des Grafen Bismark, als die Errichtung einer deutschen Ver
waltung in Deutsch - Elsaß und - Lothringen machen es gewiß, daß unser König diese
Lande nicht wieder an Frankreich ausliefern wird, und in der deutschen Machtstellung
liegt die Bürgschaft, daß er sowohl gegen Frankreich, als gegen übelwollende dritte
Mächte ihren Besitz wird behaupten können. So ist denn das Interesse wohl in seinem
Recht, welches sich allenthalben für diese alten Reichstheile und die bei ihrer Wieder
gewinnung in Betracht kommenden Fragen zeigt. Wie schon der Titel anzeigt, ist die
erste der oben genannten Schriften diesem Interesse zu dienen bestimmt, und wir glauben,
daß sich der Hr. Verf. durch dieselbe viele Leser zu besonderm Dank verpflichtet hat.
Nachdem er indem 1. Abschnitt: „Gegen Frankreich nicht gegen Napo
leon" erwiesen hat, daß dieser Krieg nicht als von Napoleon, sondern von dem fran
zösischen Volke heraufbeschworen anzusehen ist, beleuchtet er im 2. Abschnitt: „Französische
Annexionsgründe" die verschiedenen Motive, die Frankreichs Heer gegen den Rhein
trieben. Im 3. Abschnitt: „Deutschlands Rückforderung von Elsaß und
Deutsch-Lothringen" begründet der Hr. Verf. die Annexion sowohl durch das
historische Anrecht als das Nationalitätsprincip und weist im 4. Abschnitt: „Die terri
toriale Ausscheidung des Elsaß und Deutsch-Lothringensaus Frank
reich," nach, daß auf Grund der Sprache eine genügende territoriale Abgrenzung der
zu erwerbenden Lande sehr wohl thunlich sei. Nur die mangelhafte Sprach - Statistik

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