Beilage zum Evangelischen Schulblatt.
Deutsche Schulzeitung.
15. Februar 1870.
(Korrespondenzen.
Barmen, Febr. 1870. Ein Heimgegangener Schulfreund. Von unberechenbarer
Wichtigkeit ist für die Entwicklung unsers Erziehungs- und Schulwesens eine Reihe von
Persönlichkeiten, vie sich von Aug. Herm. Franke an bis Pestalozzi und über ihn hin
aus in freier Weise neben dem ordnungsmäßigen allgemeinen Schul- und Erziehungs
wesen für die Erziehung der Jugend bethätigten. „Mit dem Auftreten dieser Männer
und der von ihnen gegründeten Schulen und Institute bricht für die Schule im Allge
meinen eine neue Zeit an. Neue pädagogische Idem wollen sich Bahn brechen, sie
ergreifen selbstverständlich einzelne Persönlichkeiten, welche ihrem Dienste sich hingeben.
Das ist die große, nicht hoch genug anzuschlagende Bedeutung der Institute; ihnen ver
dankt das deutsche Schulwesm vorzugsweise seine Ueberlegenheit über das aller übrigen
Länder ungefähr in derselben Weise, wie das Institut der Privatdocenten als eine
Grundbedingung für die gesunde Entwicklung des deutschm Universitätswesms genannt
werden muß."
Wie groß auch die Bedeutung dieser Männer für Methodik und Didaktik sein
mag, immerhin ist noch höher das anzuschlagen, was sie, abgesehen von dem durch sie
begründetm Fortschritt im Schulwesen, überhaupt der Sache der Erziehung gewesen und
noch sind. . Seit der Reformation bedurfte die Familienerziehung nothwendig der Er
gänzung durch die Schule. Fürsten und Städte wandten deshalb, besonders von Luthers
Zeit an, dem Schulwesm Theilnahme und besondere Pflege zu, aber es wollte und
konnte ihnen nicht gelingm, das Wichtigste für das Gedeihen sowohl der Schulanstalten,
als überhaupt der Erziehung zu erzielen, nämlich das Bewußtsein, daß die Schulsache
Volkssache ist und sein muß. Das ist der größte Ruhm jener Männer, daß sie es
verstandm haben, die Herzen des Volks der Schule und wiederum die Schule der Fa
milie zuzuwenden, daß sie der Schule eine solche Stellung und Gestaltung zu geben
wußten, wie sie zu einem geordnetm Zusammmwirkm mit der Familie und zu einer
gesunden Entwicklung nothwendig sind.
Es gehörte wahrlich ein großes Maß von Selbstverleugnung und Liebe zum Voll
und seiner Jugend dazu, um da mit Freudigkeit und Geschick wirken zu lernen, wo
weder Ehre noch Gewinn zu erwarten stand. — Die große Bedeutung, die Pestalozzi
für die Entwicklung unsers Schulwesens hat, sichert ihm seine Stelle in der Geschichte
der Pädagogik. Was aber in seiner Erscheinung mit immer nmer Anziehungskraft auf
uns wirkt, was seinem Streben und Schaffen die Anerkennung und rege Theilnahme
in allen Ständen verschaffte, das ist die Liebe, die ihn in seinem ftei erwählten Berufe
trieb. „Freund, es ist keine Anmaßung in meiner Seele; ich wollte durch mein Leben
nichts und will heute nichts Anderes, als das Heil des Volkes, das ich liebe und
fühle, wie es Wmige elend fühlen, indem ich seine Leiden mit ihm trug, wie sie
Wenige mit ihm getragen haben." Giebt es wohl ein trefflicheres Motto zu „Lienhard

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