Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 16.1872 (16)

Beilage zum Evangelischen Schulblatt. 
Deutsche Schulzeitung. 
Mitte Äugust 1872. 
Abhandl ungen. 
Einige Bemerkungen, 
veranlaßt durch die Betrachtungen des Herausgebers über die Hauptfehler des Sprach 
unterrichtes rc. im Juni-Heft des Schulblattes 1872. 
(Von Prof. Hülsmann in Bonn.) 
Vorbemerkung des Herausgebers. Der verehrte alte Freund in der Krankenstube zu 
Bonn hat mir die Freude gemacht, die Verhandlungen über meine Artikel vom Real- und 
Sprachunterricht durch einige Bemerkungen zu eröffnen. Vermuthlich hat er sie durch eine 
iremde Hand zu Papier bringen lassen müssen, da er bei seinem dermaligen angegriffenen 
Leibeszustande wohl nicht im Stande gewesen ist, selbst die Feder zu führen. Sein gutes Wort 
soll darum doppelt willkommen heißen. 
Ein besonderer Umstand verpflichtet mich, eine persönliche Bemerkung vorauszuschicken. 
Indem meine Aufsätze die große Förderung zu erwähnen hatten, welche der Muttersprach- 
unterricht den Arbeiten von Hülsmann, Mager, Wackernagel aus den 40ger Jahren verdankt, 
mußte auch zur Sprache kommen, daß dieser Fortschritt bei seiner Anwendung auf die Volks 
schule gleichsam auf halbem Wege stecken geblieben und deshalb auch der Realunterricht nicht 
zu seinem Rechte gekommen ist. An diese rückständig gebliebene Hälfte jenes Fortschrittes zu 
mahnen und ihre Ausführung anzubahnen, — das war der Zweck meiner Artikel. Um den 
Unterschied zwischen dem, was jene Männer ponirten, und dem, was meine Vorschläge wün 
schen, recht scharf zu bezeichnen, hatte ich au einer Stelle den Ausdruck gebraucht: „dieser 
Unterschied sei der zwischen einer bloßen Negirung des grammatischen Unterrichts und der 
P o n i r u n g des rechten Sach- und Sprachunterrichts." Bei den Lesern hat mir dieser Aus 
druck vielleicht dm guten Dienst gethan, ihnen einleuchtend zu machen, daß zum rechten Sprach 
unterricht noch Etwas erforderlich ist, was bis jetzt fehlt, — nämlich vor Allem ein solches 
Lesebuch', dessen realistischer Theil dem Sachlernen wirklich auf die Beine helfen kann. Hinter 
her bin ich jedoch darauf aufmerksam geworden, daß dieser Ausdruck — abgelöst von früher 
Gesqgtein — jenen verdienten Mäunern gegenüber mißverständlich und wohl auch nicht ganz 
zutreffend gewesen ist. Mißverständlich war der Satz, weil er so aufgefaßt werden konnte, als 
ob jenen Männern nur ein Verdienst des Aufräumens zugesprochen werden sollte. Zutreffender 
würde es gelautet haben, wenn ich — wie oben — gesagt hätte, der Fortschritt, der von jenen 
Gelehrten eingeleitet war, sei in der Volksschule auf halbem Wege stecken geblieben; oder mit 
andern Worten: nachdem jene Männer A und B gesagt, hätten die Volksschulmänner bei der 
Anwendung auf ihr Arbeitsfeld noch C und D hinzufügen sollen. 
Die Wahrheit A hieß: 
„Der grammatisirende Muttersprachunterricht hat in der Volksschule kein Recht, weil 
. keine Verheißung." 
Die Wahrheit B hieß: 
„Der Muttersprachunterricht muß auf das Lesebuch sich gründen und zwar so, daß 
dadurch zugleich auch sachliche Kennmisse erworben werden." 
Das waren wichtige Sätze; der zweite ist auch durchaus positiv. 
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