Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 18.1874 (18)

Ein Lehrerfest in Ostpreußen. 
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für das Deutsche Preußen" unserm glorreichen Könige Friedr. d. Gr. zur Bestä 
tigung ein. Er versprach darin, „8 bis 10 angehende Deutsche Schulmeister aus 
Revenüen des genannten Gutes frei zu unterhalten. Sie sollten in dem Seminar 
zuvörderst in der Erkenntniß der göttlichen Wahrheiten selbsten gegründet und geför 
dert, sodann zum Rechnen und Schreiben, einer einfältigen und leichten Methode zu 
lehren und zu allem übrigen, was ein tüchtiger Landschulmeister wissen soll und muß, 
angeführet werden. Damit Sr Mas. Intention bei dem General-Landschulen-Regle- 
ment erleichtert und erreichet, der frühen Jugend die Furcht Gottes, der Gehorsam 
gegen den Souverain eingepräget, die Landkinder auch im äußern Polier und zu den 
Diensten des Königs geschickt gemacht werden; da sich gemeinhin Leute zu Schul 
meistern melden, die zu allem sonstigen zu dumm sind und von dem Prediger ange 
nommen werden müssen, weil keine Besseren zu haben sind rc." Bei den nun fol 
genden langen Verhandlungen mit der „Königl. Special- Kirchen- und Schul-Com- 
mission" wurde von dieser Behörde der Vorschlag gemacht, die von rc. G. gewünschte 
Anstalt in Königsberg zu errichten. Dagegen hatte dieser aber besonders folgende 
„Bedenklichkeiten": 1) „Mein eigentlich vorgesetzter Zweck ist der armen Landjugend 
zu helfen, besonders auch durch ein mit dem Seminario zu verbindendes Landwaisen 
haus; 2) würde die von Sr. Mas. auf dem platten Lande anbefohlene Maulbeer 
baum- und Seidenbauzucht in der Stadt nicht viel Fortgang und Nutzen haben 
können; 3) würde der Unterhalt der Seminaristen noch einmal so kostbar werden; 
4) sind für die Präparanden in Königsberg mehr Gelegenheiten zum Ausschweifen; 
5) können dieselben auf dem Lande die Einfalt und Aberglauben der Dörfer besser 
kennen lernen, um selbigem richtiger zu begegnen und 6) bedarf die Instruction eines 
Schulmeisters, der der größten ländlichen Unwissenheit steuern soll, keines großen Ge 
lehrten, sondern nur eines Mannes von mittelmäßigen Wissenschaften, der die Gabe 
und den Trieb hat, der äußersten Einfalt mit der tiefsten Herablassung gehörig ent 
gegen zu gehen." 
Endlich kam es am 13. Febr. 1772 zur Genehmigung der Gengeschen Stif 
tung. König Friedr. d. Gr. ließ es im ganzen bei dem obenerwähnten „Ent 
wurf", das Gut Lölken befreite er von allen Staatsabgaben und wünschte noch ins 
besondere Folgendes: „Die Candidaten und Seminaristen sollen durch einen tüchtigen 
Gärtenier zum Garten-, Hopfen- und Seidenbau, wo ferne die Lage des Ortes 
letzteres nur immer zulasseu wird, angeführet werden, damit dieselben sich in Zukunft 
im Stande sehen mögen, in ihren Schuldörfern solche Pflanzungen zum gemeinen 
Besten und eigenen Soulagement anzulegen, wo selbige schon vorhanden sind, zu res- 
piciren und für deren Erhaltung und Verbesserung, so viel ihre Umstünde und Schul 
arbeiten es zulassen, zu sorgen, die Ziehung lebendiger Zäune und Ansetzung der 
Bäume in den Feldern und Dörfern zu dirigiren und überhaupt auf das Beste der 
Nachkommenschaft hier unter Unserer höchsten Königl. Willens-Meinung gemäß, mir 
ihre Beschäftigung zu richten, als wozu sie bei ihrer Schularbeit noch immer einige 
Stunden übrig behalten werden rc.". Die Genehmigung des Gengeschen Ent 
wurfs ist von König „Friedrich" eigenhändig unterzeichnet. 
In den Jahren 1772 und 73 wurde das Seminarlocal im Anschluß an das 
Kl. Dexensche Kirchschulgebäude hergestellt. Es war ein schlichtes, mit Stroh ge 
decktes Haus. Schon im Anfange des Jahres 1774 trat der erste Zögling —, er 
war ein Schneider —, ein, ihm folgten bald 6 andere, und die Anstalt wurde er 
öffnet. In den ersten 20—30 Jahren ihres Bestehens rekrutirte sich sich vorzugs 
weise aus dem Handwerkerstande. Von den in dieser Zeit eingetretenen 242 Zög-
	        

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