Ein Lehrerfest in Ostpreußen.
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Die Dexner und Mühlhäuser Anstalten wurden, da ihre Erweiterung auf dem Lande
nicht gut durchführbar war, im I. 1835 in der Stadt Pr. Eylau vereinigt , und
der schon vorhin genannte Sluymer ward als Direktor angestellt. Er hat, wie auch
schon angedeutet, sein Seminar allezeit opferfreudigst geleitet und gefördert. Wie
tüchtig es unter seiner Leitung geworden, dafür zeugt namentlich auch der Umstand,
daß fast an allen Seminaren der Provinz Zöglinge der Eylauer Anstalt als Lehrer
eintraten und an mehreren auch gegenwärtig je 2 — 3 Zöglinge Sluymers wirken.
Jnteresiiren dürfte es viele Leser d. Bl., wie Sl. schon im Jahre 1848, da er
muthig mit seiner freien Ueberzeugung „vermittelnd und wehrend" hervortrat, sich
über Dinge, die uns jetzt lebhaft bewegen, aussprach: „Die Schule muß," be
zeugt er, „ein Mittelglied zwischen Staat und Kirche sein, sich also
von der Kirche nicht trennen, dagegen in einer freien Gemeinschaft
mit einer synodal-geordneten Kirche stehen. Sie behalte den confessio-
nellen Religionsunterricht, und die Kirche beaufsichtige ihn, sowie die religiös-sittliche
Haltung der Schule. — Sowie der aus dem höher gebildeten Lehrerstande hervor
gehende Bezirksschulrath stets Mitglied der Provinzialsynode sein müßte, so der aus
Lehrern der Volksschule, die ja immerhin auch Theologen sein dürfen, erwählte Kreis
schulinspector Mitglied der Kreissynode; jeder erste oder alleinige Bolksschullehrer
aber sei nicht nur in das Presbyterium seiner Kirchengemeinde wählbar, sondern auch
nothwendiges, stimmberechtigtes Mitglied seines Gemeinde-Schulvorstandes, dessen
Präses stets der Pfarrer bleibe rc. Die schöne Wahrnehmung, so schließt Sl., daß
jetzt viele Lehrer, in die Alternative gedrängt, ob sie unkirchlich erscheinen oder unter
der Jnspection der Geistlichen bleiben wollten, sich für letztere erklären, möge nicht
zu übereilten Schlüssen verleiten, vielmehr dafür eine Bürgschaft sein, daß auch nach
erfolgter äußerer Trennung die Schule sich nicht innerlich von der Kirche lösen
werde. Gerecht und billig sei also das Vaterland gegen denjenigen Stand, der das
Volk zur Gerechtigkeit, Frömmigkeit und Vaterlandsliebe erziehen soll und dies freu
dig und eifrig thun wird, wenn man ihm nicht fort und fort den Geist der
Unzufriedenheit und des Widerstrebens durch mannigfachen Druck und grundlose Ver
dächtigungen aufzwängt."
Referent weiß es, wie Sluymer, trotz andauernder Kränklichkeit, ununterbrochen
mit fast verzehrendem Eifer wirkte. Wenn ihm seines Halsleidens wegen das Un
terrichten nicht möglich war, so arbeitete er mit der Feder für die Schule. Eine
Frucht hiervon war sein vortrefflicher „Lehrplan für Volksschulen mit vorzüglicher
Berücksichtigung der Provinz Preußen."
Auch die Nachfolger rc. Sluymer's, die Direktoren Schorn, der leider auch
schon heimgerufen ist, und Schumann, gegenwärtig Schulrath in Frankfurt a. O.,
erwähnte der Herr Festredner mit Recht als tüchtige und treue Schnlmänner, denen
die Eylauer Anstalt viel zu verdauken hat.
Von statistischen Nachrichten dürften noch folgende interessiren: Von den in den
Jahren 1861—1873 aufgenommenen 376 Zöglingen waren 119 Söhne von Volks
schullehrern, 99 v. ländl. Besitzern, 96 v. Handwerkern, 33 v. Arbeitern, 22 v.
kl. Beamten, 3 v. Wirhschaftsinspectoren, 2 v. Partikuliers, 1 Sohn eines prakt.
Arztes und 1 Sohn eines Fabrikanten. Der Etat der Anstalt betrug bei Errich
tung des Externats anno 1835 4,659 Thlr., stieg bis zum Jahre 1861 auf
7482 Thlr. und beträgt jetzt 9550 Thlr., wovon aus der Staatskasse 8458 Thlr.
gezahlt werden. Im ganzen hat die Anstalt von ihrem Beginn an aufgenommen

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