Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 18.1874 (18)

Hebung der geistigen Thätigkeit durch den Unterricht. 335 
angefertigt werden. Ferner: unser Leib, unsere Wohnungen, Beschäftigungen 
der Menschen sind geeignete Stoffe der Besprechung. Sie alle sind den Kindern 
mehr oder weniger bekannt und können die Unterlage für das Spätere bereiten. 
Es läßt sich auch immer etwas anknüpfen, was das Interesse noch zu erhöhen 
geeignet ist, oft eine kleine Erzählung, ein Berschen oder dergleichen. 
Zum dritten: Für die Verwerthung der eignen Erfahrungen und Erlebnisse 
können uns die Gleichnisse Jesu einen Fingerzeig geben. Ich rede jetzt nicht 
ausschließlich von der untern Stufe. Können wir es dem Herrn gleich nicht 
nachmachen, so erkennen wir doch, wie wichtig es schon sein muß, an Vorhande 
nes, an Bekanntes, an Sinnliches anzuschließen. So möge z. B. beim Sün 
denfall an die unbehagliche Stimmung erinnert werden, die sich des Kindes be 
mächtigte, wenn es etwa das Gebot der Eltern hinter deren Rücken übertreten 
hatte. Die Geschichte von Kain und Abel könnte durch einen Zug aus dem 
jugendlichen Gebiete zweckmäßig vorbereitet werden. In Abrahams Stimmung, 
da er seinen Sohn opfern sollte, können sich die Kinder ein wenig versetzen, 
wenn man sie an einen Vater erinnert, der am Sterbebette seines einzigen er 
wachsenen Sohnes steht, welcher ihm Zeit seines Lebens nur Freude bereitete. 
Und wie viel Anknüpfungspunkte gibt Josephs Geschichte, um Gedanken, Ge 
fühle und Willensentschlüsse kräftiger in Bewegung zu setzen! Freilich muß das 
alles in rechtem Maße geschehen, damit nicht etwa die Aufmerksamkeit abgelenkt 
oder zersplittert werde. 
In Kürze noch berühre ich den vierten Punkt. Die Kinder bringen eine 
nicht unbeträchtliche Sprachfertigkeit mit in die Schule, sollen wir dieselbe un 
beachtet lassen? Es ist freilich eine sehr unvollkommene Fertigkeit, und vielfach 
sind die Kinder nur in der Mundart geübt. Bedenken wir aber, daß ein Kind 
immer nur auf Kindesart redet und daß auf alle Fälle die Sprache sich erst all 
mählich zu größerer Vollkommenheit entwickeln kann, so werden wir darauf ge 
wiesen, die Kinder ja nicht einzuschüchtern, sondern die naturwüchsige Sprache 
mit Schonung zu behandeln. Es wird sich empfehlen, das Fehlerhafte, wenn 
eben möglich, anzunehmen und auf kürzeste Weise zu verbessern, das Richtige 
aber zur Befestigung ein oder etliche Male wiederholen zu lassen. 
Wir sind mit unsrer ersten Frage zu Ende. Gestatten wir uns einen 
kurzen Rückblick. Wir forderten für die Hebung der geistigen Thätigkeit Anschluß 
an das Vorhandene, und haben gesehen, daß diese zu suche« ist: 1) in der An 
knüpfung an das jugendliche Interesse, welches sich mit Vorliebe erzählenden Stof 
fen zuwendet, aber auch lieber mit Sachen als Formen sich beschäftigt; —- 2) in 
Berücksichtigung der bereits anderwärts erworbenen Vorstellungen; — 3) in der 
Bezugnahme auf die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse der Schüler und endlich 
4) in möglichster Schonung der naturwüchsigen Sprachfertigkeit. 
B. 
Es liegt mir jetzt noch ob in Kürze zu zeigen, wie die Lehrstoffe und Lehr 
fächer in Verbindung gesetzt werden können, um auch hierdurch die Gedankenbe 
wegung mehr anzuregen und das Interesse am Lernen zu erhöhen. 
Habe ich vorhin unabsichtlich mehr die untere Stufe berücksichtigt, so soll 
jetzt auch der obern Stufen mit gedacht werden. In erster Linie ist hier die 
Verbindung des deutschen Unterrichts mit dem Sachunterricht in'S Auge zu
	        

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