Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 18.1874 (18)

Im vorigen Artikel haben wir unser Augenmerk vornehmlich der historischen 
Entwickelung und der gegenwärtigen Verfassung der Schule der evang. 
Landeskirche in Siebenbürgen gewidmet. Richten wir jetzt zunächst unsern Blick 
auf ihre innere Organisation, so weit das vorliegende Material Auskunft darüber 
giebt. 
Die Schule hat nach der „Schulordnung" die Aufgabe, „die Kinder sittlich 
und religiös zu erziehen, mit den zur weitern Ausbildung für das Leben erfor 
derlichen Kenntnissen und Fertigkeiten auszustatten und überhaupt die geistigen 
Kräfte derselben gleichmäßig in dem Umfange und bis zu jener Höhe zu entwi 
ckeln, welche der jeweilige Culturfortschritt für alle Glieder dieser Landeskirche ohne 
Ausnahme fordert." 
Es giebt Volksschulen und Hauptvolksschulen. Jene sind ein- bis vierklassig 
und entsprechen in ihren Lehrzielen ziemlich unsern (preuß.) Volksschulen; diese 
verfolgen in wenigstens 5 Klassen höhere Ziele, die mindestens durch ungarische 
Sprache, Arithmetik, Geometrie und Buchführung erweitert sind. 
„Die Schulpflicht, welche durch die Gesetze schon längst entschieden ausge 
sprochen war, neuerdings jedoch strenger geregelt und genauer umschrieben wurde, 
erstreckt sich" bei den Knaben vom 6. bis 14., bei den Mädchen vom 6. bis 13. 
Lebensjahre. „Nach der Entlassung aus der Schule, an welche sich der kirchl. 
Confirmations-Unterricht anschließt, ist mindestens die männliche Jugend bis zum 
vollendeten 19. Lebensjahre während des Winters in wenigstens 3 wöchentlichen 
Stunden zum Besuch der Fortbildungsschule verpflichtet." Diese Forderungen 
der „Schulordnung" gehen weiter, als die des königl. ungarischen Unterrichts 
gesetzes, welches die Schulpflicht für die Alltagsschule nur auf Kinder von 6—12 
Jahren, für die Fortbildungsschule nur bis zum vollendeten 15. Lebensjahre 
normirt. 
Die „Schulordnung" stellt das Minimum der Lehrziele fest, die auch von 
den Kindern der einfachen einklassigen Dorfschule mit einem Lehrer erreicht wer 
den sollen. Neben dieser finden sich auch Schulen mit zwei und mehr aufstei 
genden Klassen „mit selbstverständlich höhern Lehrzielen und reicherer innerer Or 
ganisation. Die Regel bildet jedoch die zweiklassige Volksschule mit 2 Lehrern. 
Von den 360 Volksschulen der Landeskirche sind 47 einklassig, 143 zweiklassig, 
43 dreiklassig, 20 vierklassig und 7 fünfklassig. In allen diesen Schulen wur 
den nach der Zählung vom 31. Decbr. 1869 32820 Schüler von 649 Lehrern 
unterrichtet. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder betrug nach derselben Zählung 
32709. Das Mehr der Schulbesuchenden kommt auf Rechnung einmal der nicht- 
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