Full text: Evangelisches Schulblatt und deutsche Schulzeitung - 20.1876 (20)

244 ll. Abtheilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biographien rc. 
terricht in der Musik war einem benachbarten Lehrer übertragen. Später nahm 
Jüngst noch einen Gehülfen an, und miethete besondere Lehrzimmer. Da er die 
befähigten Jünglinge möglichst bald als Gehülfen verwenden wollte, so war er in 
der Auswahl und Aufnahme derselben sehr vorsichtig; mehrere Zöglinge erhielten 
Stipendien, welche sie jedoch, wenn sie einen andern Beruf erwählten, wieder 
erstatten mußten. Die Kosten waren unbedeutend, weil mehrere Zöglinge des 
Abends in das elterliche Haus zurückkehrten, andere dieses wöchentlich ein- oder 
zwei Mal thun konnten. Der Lehrcursus war auf drei Jahre bestimmt. Die 
Lehrgegenstände waren: die deutsche und französische Sprache, Weltgeschichte, bib 
lische Geschichte mit Religionslehre, Kopf- und Tafelrechnen, Schönschreiben, 
Methodenlehre, Clavierspielen und Gesanglehre. 
Auch der Dillenburger Mädchenlehrer Johann August Steub bildete an 40 
junge Leute für den Lehrerberuf aus. Er starb nach einem 55 Jahre langen 
Schulmannsleben im Jahre 1812. 
Während früher bei aller landesväterlichen Fürsorge das Schulwesen im 
Siegerland (wie auch anderwärts) im Argen lag, ist jetzt fast kein Dorf, welches 
nicht von einem Schulverband umfaßt wird. Wurden in früheren Zeiten auf 
dem Lande meist nur Winterschulen gehalten, so öffnen sich jetzt die Pforten der 
Schulen zu allen Jahreszeiten. 
Hoch preisen wir daher Preußens Könige, von Friedrich Wilhelm III. an, 
unter dessen rühm- und segensreicher Regierung das Siegerland der preußischen 
Monarchie einverleibt wurde, bis auf Kaiser Wilhelm I., den erhabenen Einiger 
Deutschlands, welche ihre Fürsorge auch für das Schulwesen in so erfreulicher 
Weise kundgegeben haben. 
Zur Frage der genossenschaftlichen Selbsthilfe der Lehrer. 
Preußische Lehrer Petitioniren jetzt sowohl beim Unterrichts-Ministerium wie 
beim Abgeordneten-Hause mit vollem Rechte dahin, daß ihren Wittwen eine hö 
here Pension gewährt werden möge. Denn die ihnen zu Theil werdende Jahres 
pension von je 150 bezw. 225 Mark ist durchaus unzulänglich zum Lebens 
unterhalte einer Person, um so unzulänglicher, als die meisten Wittwen in einem 
höheren Lebensalter stehen in welchem sie durch anderweitigen Erwerb ihre Ein 
nahme zu vergrößern, sich außer Stande befinoen. 
Ihre Pensionen zu erhöhen, würde ganz füglich angehen, wenn endlich da 
von Abstand genommen werden möchte, was natürlich nur durch Abänderung des 
Wittwenkassenstatuts auf geordnetem Wege geschehen könnte, den eisernen Kassen 
bestand durch theilweise Kapitalisirung der jährlichen Beiträge zu vergrößern, ein 
Verfahren, das nach den neueren volkswirthschaftlichen Grundsätzen durchaus 
gerecht und billig wäre, darum schon, weil auf Kosten der Berechtigten ein Ka 
pital für eine so ferne als ungewisse Zukunft zwangsweise zu sammeln, während 
die Hinterbliebenen der Berechtigten Noth leiden, sich durch nichts als durch einen 
unbilligen § des betreffenden Statuts rechtfertigen läßt, mit einem Worte in 
und an sich ein Unrecht ist. 
Nach meiner Ansicht müßten die preußischen Lehrer in dieser Angelegenheit 
wie Ein Mann zusamnienstehen und eine Abänderung der bezüglichen Statuten
	        

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